Exhibitions

 Galerie Wagner + Partner

Eckart Hahn

Limbus

28.04.2017 – 03.06.2017

WAGNER + PARTNER freut sich zum diesjährigen Berliner Gallery Weekend die neue Einzelausstellung von Eckart Hahn zu eröffnen. Im gestalteten Farbenspiel der Galerieräume treten die jüngsten Bilder des in Reutlingen lebenden Künstlers ans Licht und entfalten – wie stets bei Eckart Hahn – eine eigentümlich faszinierende Atmosphäre. Das einzigartige Bilderuniversum des Malers steht dieses Mal unter dem Thema Limbus. Limbus, lateinisch Rand oder Saum, ist nach Thomas von Aquin ein Ort, der für die Seelen der Verstorbenen als ein Zwischenzustand verstanden werden kann; weder herrschen hier Glück noch Leid.

Für Eckart Hahn steht unsere Zeit unter dem Zeichen des Limbus und des Übergangs. Da, wo wir herkommen, können wir nicht mehr sein, da, wo wir hinwollen, sind wir noch nicht. Der Mensch steht am Rande. Dennoch sind wir auf der Suche nach unserem Platz in der Welt eingebunden in die Strukturen des Seins. Während der Mensch diesen Prozess nicht ohne Reflexionen und Beobachtungen vollziehen kann und Limbus-gleich in einem Zwischenzustand steckenzubleiben scheint, erfahren Tiere ihn in einer Art von Selbst-Verständlichkeit: Füchse ernähren sich aus Mülltonnen am Rande der Stadt statt wie ehedem allein zu jagen, Waschbären konkurrieren mitten in der Metropole mit Katzen ums Futter…

So werden in der neuen Ausstellung des Künstlers die einzelnen Tiere wie Platzhalter für diesen Veränderungsprozess. Inspiriert von den naturwissenschaftlichen Betrachtungen eines Alexander von Humboldt (1769 – 1859) hat Eckart Hahn für Limbus einen vielfältigen ästhetischen Kosmos geschaffen, der dem Besucher die Kraft dieses Lebensprinzips, aber zugleich auch das Fragile und Transitorische spürbar werden lässt.


Eckart Hahn (*1971 in Freiburg), Studium Graphik-Design an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart, lebt und arbeitet in Reutlingen. In den letzten Jahren zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa (Kunstpalais Erlangen, Kunstmuseum Singen, Kunstverein Mannheim u.v.a.) sowie Einzelausstellungen in New York wird Anfang 2018 im Berliner Haus am Lützowplatz mit einer Einzelpräsentation geehrt.

 Galerie Wagner + Partner

Fokus und Serialität

09.06.2017 – 15.07.2017

Vernissage: 09.06.2017, 19:00 - 21:00

Aufmerksamkeitsökonomie ist ein postindustrieller Begriff und beschreibt im kulturellen Feld Strategien, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen Inhalt zu lenken und möglichst lange dort zu belassen. Wie erreicht man dies in der zeitgenössischen Kunst? Galerie WAGNER + PARTNER stellt zwei künstlerische Strategien aus dem Programm vor, die in der Ausstellung "Fokus und Serialität" in einen fruchtbaren Dialog miteinander gebracht werden.

Zum einen ist das der 1932 geborene Maler Peter Dreher, der seit Anfang der 70er Jahre das immer gleiche Wasserglas im immer gleichen Format von 25 x 20 cm auf die immer gleiche Weise malt und somit alle ablenkenden Veränderungen ausschaltet. Die maximale Wiederholung des Bildmotivs transzendiert das einzelne Bild und verleiht ihm einen seriellen Charakter. Die Betrachtung des einzelnen Wasserglasbildes wird ad absurdum geführt, der wahrnehmende Blick des Betrachters zugleich irritiert und freigesetzt mit dem Ergebnis, dass der "herumirrende Blick" wiederum zum "konzentrierten Blick" wird. Die Serie wird zum Mittel der gesteigerten Aufmerksamkeit.

Der finnische Foto- und Medienkünstler Miklos Gaál hingegen hat in seinen "klassischen" Fotoarbeiten, die zwischen 1999 und 2010 entstanden sind, einen anderen Weg zur Lenkung von Aufmerksamkeit gewählt. Durch Anwendung einer partiellen Schäfe in seinen großformatigen Fotografien entstehen für das Auge irritierende Bilder: allergrößte Teile des Fotos sind unscharf und entziehen sich der bewussten Wahrnehmung, lediglich ein schmaler scharfer Bereich bietet den Ansatz zum intensiven Verweilen des Auges. Was das anthroprozentrische Sehen tagtäglich unbewusst vollzieht - nämlich die Ausblendung alles Nebensächlichen - hat Miklos Gaál in seinen konzeptuellen Fotografien bewusst in Szene gesetzt. Durch diese subtile Strategie wird ebenfalls die Aufmerksamkeit des Betrachters gelenkt.

Ansatz der Ausstellung ist es, beide künstlerische Strategien einander gegenüberzustellen und ihre ästhetische wie perzeptionelle Wirkung bewusst spürbar zu machen. Beliebte Motive Gaáls wie "Event on a shopping street", "Speed below 40" oder "Cemetery visit" werden mit den Glasbilder aus der Serie "Tag um Tag guter Tag" sowie anderen seriellen Bilderfolgen Peter Drehers konfrontiert.