Exhibitions

 Galerie Wagner + Partner
 Galerie Wagner + Partner

Simon Schubert

Jenseits von Ideen

24.06.2016 – 30.07.2016

Im Künstlergespräch befragte Amely Deiss, Direktorin des Kunstpalais Erlangen, Simon Schubert zu seiner Idee eines mit Papierarbeiten ausgekleideten fiktiven Hauses und zu dem Motiv des Geheimnisvollen.

WAGNER + PARTNER freut sich erstmals Arbeiten von Simon Schubert zu präsentieren, dessen einzigartige Papierfaltungen die Grenzen von Zeichnung ausloten. Simon Schuberts installative Ausstellungsinszenierungen, in denen er in verschiedenen Medien arbeitet, sind häufig inspiriert von literarischen und philosophischen Quellen. In Jenseits von Ideen führt er uns - gleich Alices Sprung in einen Kaninchenbau in Lewis Carolls Geschichte - durch das Erdreich hindurch in einen mit papiernen Bildreliefs ausgekleideten Raum. Dieser Raum stellt den Beginn eines künstlerischen Großprojekts dar, in dem der Künstler eine Art begehbares, ebenfalls gänzlich mit Papier ausgekleidetes Haus erschaffen wird, in dem seine Reliefs in Bezug zueinander die Illusion eines tatsächlichen Hauses mit Durch- und Ausblicken ergeben.

Der Ausstellungsbesucher gelangt in diesen Raum, nachdem er/sie den mit Erde ausgelegten Flur der Galerie durchquert hat. Im vorderen Raum der Ausstellung wird er/sie in Schuberts Spiel mit Räumlichkeit und Narrationen eingeführt, in denen Zeit- und Raumgesetze aufgehoben zu sein scheinen. Das Symbol des Kaninchenbaus als Transitionsraum führt Schubert durch die ganze Ausstellung fort. Beispielsweise durch den Blick in einen Zylinderhut, in dem eine Videoarbeit eine weitere Raumillusion eröffnet. Auch die von Schubert entwickelte Technik der Papierfaltung eröffnet eine Raumillusion: sie begreift die Linie als eine Raumlinie und bedient sich der Komplizenschaft des Lichts, um feinste Schattenverläufe sichtbar zu machen. Durch die Oberflächenbearbeitung des einzelnen Papiers konstituieren die Papierinstallationen Raum. Die illusionäre, zweidimensionale Faltzeichnung wird zur Raumzeichnung.

Kontrastiert werden die ausschließlich weißen Papierfaltungen  durch Grafitzeichnungen, die mithilfe von starken Hell/Dunkelkontrasten, von Weiß bis Schwarz, Räume und Häuser bei Dunkelheit im Wiederschein von Lichtquellen zeigen. Diese Häuser werden teils von einer Feuersbrunst verschlungen oder sind auch nur schemenhaft im Zwielicht zu erkennen.

Mit Papier, Skulptur und Video arbeitet Simon Schubert die einzelnen Bilder von Räumen und die tatsächlichen gebauten Räume als Teile eines schier endlosen, sich stetig erweiternden Geflechts heraus. Der Betrachter wird in eine surreale, suggestive Welt versetzt, in die hinein und von der heraus sich unendlich viele Zu- und Ausgänge ergeben.


Foto: Cosima Hawemann