Exhibitions

2017

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 Galerie Wagner + Partner
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Fokus und Serialität

09.06.2017 – 15.07.2017

Aufmerksamkeitsökonomie ist ein postindustrieller Begriff und beschreibt im kulturellen Feld Strategien, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen Inhalt zu lenken und möglichst lange dort zu belassen. Wie erreicht man dies in der zeitgenössischen Kunst? Galerie WAGNER + PARTNER stellt zwei künstlerische Strategien vor, die in der Ausstellung "Fokus und Serialität" in einen fruchtbaren Dialog miteinander gebracht werden.

Zum einen ist das der 1932 geborene Maler Peter Dreher, der seit Anfang der 70er Jahre das immer gleiche Wasserglas im immer gleichen Format von 25 x 20 cm auf die immer gleiche Weise malt und somit alle ablenkenden Veränderungen ausschaltet. Die maximale Wiederholung des Bildmotivs transzendiert das einzelne Bild und verleiht ihm einen seriellen Charakter. Die Betrachtung des einzelnen Wasserglasbildes wird ad absurdum geführt, der wahrnehmende Blick des Betrachters zugleich irritiert und freigesetzt mit dem Ergebnis, dass der "herumirrende Blick" wiederum zum "konzentrierten Blick" wird. Die Serie wird zum Mittel der gesteigerten Aufmerksamkeit.

Der finnische Foto- und Medienkünstler Miklos Gaál hingegen hat in seinen "klassischen" Fotoarbeiten, die zwischen 1999 und 2010 entstanden sind, einen anderen Weg zur Lenkung von Aufmerksamkeit gewählt. Durch Anwendung einer partiellen Schärfe in seinen großformatigen Fotografien entstehen für das Auge irritierende Bilder: allergrößte Teile des Fotos sind unscharf und entziehen sich der bewussten Wahrnehmung, lediglich ein schmaler scharfer Bereich bietet den Ansatz zum intensiven Verweilen des Auges. Was das anthropozentrische Sehen tagtäglich unbewusst vollzieht - nämlich die Ausblendung alles Nebensächlichen - hat Miklos Gaál in seinen konzeptuellen Fotografien bewusst in Szene gesetzt. Durch diese subtile Strategie wird ebenfalls die Aufmerksamkeit des Betrachters gelenkt.

Ansatz der Ausstellung ist es, beide künstlerische Strategien einander gegenüberzustellen und ihre ästhetische wie perzeptionelle Wirkung bewusst spürbar zu machen. Beliebte Motive Gaáls wie "Event on a shopping street", "Speed below 40" oder "Cemetery visit" werden mit den Glasbildern aus der Serie "Tag um Tag guter Tag" sowie anderen seriellen Bilderfolgen Peter Drehers konfrontiert. 


Interview with Peter Dreher on studio international

Interview with Miklos Gaál on artnet

 Galerie Wagner + Partner
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Eckart Hahn

Limbus

28.04.2017 – 03.06.2017


WAGNER + PARTNER freut sich zum diesjährigen Berliner Gallery Weekend die neue Einzelausstellung von Eckart Hahn zu eröffnen. Im gestalteten Farbenspiel der Galerieräume treten die jüngsten Bilder des in Reutlingen lebenden Künstlers ans Licht und entfalten – wie stets bei Eckart Hahn – eine eigentümlich faszinierende Atmosphäre. Das einzigartige Bilderuniversum des Malers steht dieses Mal unter dem Thema Limbus. Limbus, lateinisch Rand oder Saum, ist nach Thomas von Aquin ein Ort, der für die Seelen der Verstorbenen als ein Zwischenzustand verstanden werden kann; weder herrschen hier Glück noch Leid.

Für Eckart Hahn steht unsere Zeit unter dem Zeichen des Limbus und des Übergangs. Da, wo wir herkommen, können wir nicht mehr sein, da, wo wir hinwollen, sind wir noch nicht. Der Mensch steht am Rande. Dennoch sind wir auf der Suche nach unserem Platz in der Welt eingebunden in die Strukturen des Seins. Während der Mensch diesen Prozess nicht ohne Reflexionen und Beobachtungen vollziehen kann und Limbus-gleich in einem Zwischenzustand steckenzubleiben scheint, erfahren Tiere ihn in einer Art von Selbst-Verständlichkeit: Füchse ernähren sich aus Mülltonnen am Rande der Stadt statt wie ehedem allein zu jagen, Waschbären konkurrieren mitten in der Metropole mit Katzen ums Futter…

So werden in der neuen Ausstellung des Künstlers die einzelnen Tiere wie Platzhalter für diesen Veränderungsprozess. Inspiriert von den naturwissenschaftlichen Betrachtungen eines Alexander von Humboldt (1769 – 1859) hat Eckart Hahn für Limbus einen vielfältigen ästhetischen Kosmos geschaffen, der dem Besucher die Kraft dieses Lebensprinzips, aber zugleich auch das Fragile und Transitorische spürbar werden lässt.


Eckart Hahn (*1971 in Freiburg), Studium Graphik-Design an der Johannes-Gutenberg-Schule in Stuttgart, lebt und arbeitet in Reutlingen. In den letzten Jahren zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa (Kunstpalais Erlangen, Kunstmuseum Singen, Kunstverein Mannheim u.v.a.) sowie Einzelausstellungen in New York wird Anfang 2018 im Berliner Haus am Lützowplatz mit einer Einzelpräsentation geehrt.

Worlds (2017), Karten, Holz, Farbe, Kreide, verschiedene Größen Galerie Wagner + Partner
Untitled (2017), room installation with foil, torch, paint Galerie Wagner + Partner

Sophia Pompéry

Gravity is just a Habit

10.03.2017 – 22.04.2017

Galerie WAGNER + PARTNER freut sich, mit Gravity is just a Habit die zweite Einzelausstellung von Sophia Pompéry zu präsentieren. Dem Thema der Ausstellung - Visuelle Projektionen - nähert sie sich in verschiedenen Medien: Installationen, Fotografie und Skulptur. Dabei transformiert Pompéry Gegenstände des Alltags, z. B. Landkarten und Vasen, in Parabeln, wobei die Offenheit ihrer Werke stets mehrere Interpretationsebenen beinhaltet. So lassen ihre Werke Assoziationen auf aktuelle politische Geschehnisse wie Migration oder Zerstörung von Kulturgut zu. Fast beiläufig wirft Sophia Pompéry dabei philosophische Fragen nach der Beschaffenheit von räumlicher und zeitlicher Wahrnehmung auf. Die Freude am physikalischen Experiment sowie an der Irreführung der üblichen Sehgewohnheiten zeichnet Pompérys künstlerische Arbeiten aus. Die in dem Ausstellungstitel formulierte These, dass Schwerkraft nur eine Gewohnheit ist, zielt auf genau diese unsere Trägheit ab, Gewohntes und Vorgefundenes unhinterfragt als gegeben und unveränderlich hinzunehmen statt Dinge zu ändern.

Ein Ausstellungsraum der Galerie ist unter dem Titel Worlds dem Begriff von Grenzen bzw. Begrenzungen gewidmet. Hier betritt der Besucher ein Universum aus schultafelähnlichen Landkarten, die ihm in einer Art Prozession entgegentreten. All diese Karten, die verschiedene Teile der Welt darstellen, sind mit Tafelfarbe überzogen. Maßstäbe, politische Grenzen und Städte verschwinden dadurch. Der Betrachter ist dazu eingeladen, auf diesen Karten seine eigene Version einer (auch inneren) Landkarte zu einzuzeichnen – Schwamm und Kreidestift werden so Werkzeuge, um unsere eigene Visionen der Welt zu entwerfen. Die Tafeln aus der Installation Worlds werden zu einer Metapher für das Verstehen von Raum. Worlds stellt die Nutzung von Raum, geopolitische Machtkonstellationen, Besitz, Migration und ökologischen Zustand in Frage. Wenn das Sichtbare unsichtbar wird und Grenzziehungen verschwinden, wird Imagination zum zentralen Element. Worlds ist eine Einladung, unsere Gedanken freizusetzen. Normalerweise sind diese in unserem Alltag befangen und selten denken wir darüber nach, wie Zeit und Raum über uns hinaus beschaffen sind.

Ebenfalls eine Frage nach Grenzen und visuellen Projektionen stellt eine wandfüllende Arbeit, die dem Betrachter einen Blick in die Unendlichkeit des Weltalls suggeriert. Beim Betrachten der Sterne blendet das menschliche Auge die Tiefe zwischen einzelnen Sternen aus. Wir haben kein Gefühl für die Distanz zwischen zwei Sternen und nehmen den Himmel als gesprenkelte Fläche war. Auf der Karte werden Sterne ebenfalls flächig dargestellt. Diese Projektionsfläche kann im Ausstellungsraum von beiden Seiten betrachtet werden. Die Perspektive auf die Rückseite der Milchstraße ist Unendlichkeit x 2.

Wohingegen Worlds einlädt, Kreide aufzutragen und statische Definitionen flüchtig werden zu lassen, stellt die Fotoserie Éloge du vide einen gegenteiligen Prozess dar: Sie sprengt Kreide und zementiert einen flüchtigen Moment, wie ein Blumenstilleben. Darüber hinaus greift auch sie Fragen nach unserer Wahrnehmung auf: Die Schwarzweiß-Fotos explodierender Vasen, die eine merkwürdige weiße Staubwolke freisetzen, haben so gar nichts mit einem üblichen herunterfallenden, von der Schwerkraft angezogenen Porzellangegenstand gemeinsam. Als würde die Explosion eine magische Energie freisetzen, scheinen wir diese unschuldigen weißen Gefäße in unserem Alltag zu unterschätzen. Gleichzeitig wecken sie starke Assoziationen an die durch Bombardierungen zersprengten Kulturgüter in Kriegsgebieten, die vor Ort der Auslöschung des kulturellen Gedächtnisses dienen sollen.

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Thomas Wrede

The Luminous Screen

20.01.2017 – 25.02.2017


Wagner + Partner freut sich, mit „The Luminous Screen“ die fünfte Einzelausstellung des deutschen Fotokünstlers Thomas Wrede zu präsentieren.  Der Titel der neuen Ausstellung „The Luminous Screen“ ist zugleich Titel eines großformatigen Landschaftsfotos aus der bekannten Serie „Real Landscape“, an dem Wredes künstlerischer Ansatz erfahrbar wird. Bilder sind bei Wrede immer Bilder über Bilder. Sie verdeutlichen so einerseits den Umgang moderner Medien mit visuellen Inhalten, anderseits zeigen sie Momente der Rezeption wie Sehnsucht oder Erinnerung auf. In „The Luminous Screen“ ist das die leere, leuchtende Leinwand eines Autokinos inmitten einer nächtlichen Berglandschaft. Obgleich das Foto anhand von Modellen inszeniert ist, suggeriert es einen glaubhaften Wirklichkeitsgrad. Vielmehr aber initiiert es im Betrachter die Assoziation und Erinnerung an zahlreiche Filme und Fotografien. Für diese quasi innere Projektionsfläche steht die leere Leinwand.

In der Ausstellung werden neuere Arbeiten der „Real Landscapes“ mit älteren Werken der Serie „Wrapped Landscapes“ konfrontiert. In dieser Serie verfolgt Wrede einen gegensätzlichen Ansatz: Statt einer Inszenierung mit Hilfe von Modellen arbeitet Wrede hier im Sinne der „found objects“. Er fotografiert Bäume und Sträucher von Modellbausätzen durch ihre vorhandene Originalverpackung hindurch und zieht sie derart groß ab, dass die putzigen Modellpflanzen wie urzeitliche Giganten wirken. Die Inversion der Größe der abgebildeten Objekte - ohne einen helfenden visuellen Bezug – ermöglicht es dem Betrachter, die Fotos jenseits eingeübter Sehweisen wahrzunehmen und auch zu interpretieren. Beide Serien machen sich eine kalkulierte Irritation der Wahrnehmung zu eigen und eröffnen so einen anregenden Diskurs über „Bildproduktion“.

Thomas Wrede wurde 1963 in Iserlohn geboren und studierte in Münster und Berlin. Seit 2015 ist er Professor für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste in Essen. Zahlreiche institutionelle Ausstellungen In- und Ausland dokumentieren Wredes Position als wichtigen deutschen Fotokünstler der mittleren Generation. Die ab März stattfindende Einzelausstellung  „Modell-Landschaft“ des Museums Sinclair-Haus der Altana Stiftung in Bad Homburg wird eine umfangreiche Werkschau der letzten 20 Jahre präsentieren. s. Website Museum Sinclair-Haus

Sammlungen: Staatliche Kunstsammlungen Berlin, Staatsgalerie Stuttgart, Landesmuseum Münster, Hudson Bay Company New York, The West Collection Philadelphia, Hall Art Collection New York, HBC Global Art Collection New York, ING-Collection Amsterdam, Kunst-am-Bau-Projekte in Berlin für die Bundesrepublik Deutschland, UBS und DZ-Bank.

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Claas Gutsche

Schatten

25.11.2016 – 14.01.2017

Galerie Wagner + Partner freut sich, die nunmehr vierte Einzelausstellung des 1982 geborenen Künstlers zu präsentieren. Claas Gutsche ist dem interessierten Publikum in den letzten Jahren durch seine außergewöhnlichen, teils großformatigen Linolschnitte aufgefallen. Diese Linolschnitte loten mittels einer facettenreichen, subtilen Modellierung von Grautönen nicht nur die Grenzen des Mediums aus, sondern bewegen sich thematisch in ähnlichen „Übergangszuständen“: eine schwarz-romantische Landschaftsdarstellung, atmosphärisch aufgeladener Ort des kollektiven wie subjektiven Schreckens, aber auch die ambivalent-moderne Architektur des untergegangenen Ostblocks waren die Themen der vergangenen Jahre.

Mit der zentralen Arbeit „Leak“ nimmt Gutsche diesen Faden auf und flicht ihn weiter. „Leak“, ein monumentaler Linolschnitt von 250 x 375 cm, zeigt die ehemalige US-Spionageanlage auf dem Berliner Teufelsberg. Dargestellt sind die ehemals futuristischen weißen, aber verrottenden Abhörkuppeln des amerikanischen Geheimdienstes, der von Berlin aus weit in den Ostblock lauschte. Die Gebäude in Gutsches Bild verweisen noch auf jene Zeit, aber die Natur ist bereits dabei, sie zurückzuerobern. „Leak“ ist ein vieldeutiger Titel, denn die Spionagetätigkeit ist eingestellt und hat sich ins Internet verlagert. Wir sind inmitten eines fundamentalen Zeitenwandels.

Während die Funktion und Symbolkraft von Architektur dem historischen Wandel unterworfen ist, scheint die Natur Stetigkeit und Wandel immer schon zu kennen. Erobert sie beispielsweise menschliche Siedlungen oder Gebäude zurück, wird sie vorschnell romantisch konnotiert. Claas Gutsche nimmt auch diesen Faden wieder auf, indem er erstmals seit 2010 seine Linolschnitte wieder durch spezielle Objekte (Bronzeunikatgüsse) ergänzt, die Fragmente von Natur und Zivilisation vereinen. Diese fügen sich in den Ausstellungskontext durch subtile Assoziationen ein.

Gutsche wurde zuletzt im Schweizer Museum Franz Gertsch mit einer Einzelausstellung und einem Katalog gewürdigt.

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Unease - Das Unbehagen

(während der Berlin Art Week)

08.09.2017 – 16.09.2017

Die Gruppenausstellung mit Künstlern und Gästen der Galerie versteht sich als ein Kommentar auf unsere Zeit. In assoziativer Hängung kreisen ihre Kunstwerke um das Gefühl des Unbehagens.

Spätestens seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump scheinen Planbarkeit, Gewissheit oder auch Verlässlichkeit aus unserem Leben wie weggeblasen. Ein großes Unbehagen greift um sich – bricht morgen im Zuge des sich abzeichnenden Klimawandels die nächste Naturkatastrophe über uns herein? Welches Land folgt auf dem Brexit? Wird das Kondom in Polen abgeschafft? Wird man demnächst sogar als Tourist in der Türkei verhaftet? Übernimmt der Klu Klux Klan das Weiße Hause? Und was ist mit der atomaren Bedrohung in Nordkorea?

Die Welt scheint Kopf zu stehen. Ein künstlerischer Kommentar mit Werken von Bastian Börsig, Claas Gutsche, Eckart Hahn, Benedikt Hipp, Susi Jirkuff, Stefan Kürten, Eva Lauterlein, Erwin Olaf, Lars Ramberg, Jakob Roepke, Natascha Stellmach, Raissa Venables und Rob Voerman.

2016

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Körper*Selbst

Andreea Cioran, Izabella Gustowska, Ren Hang, Eckart Hahn, Natascha Stellmach

21.10.2016 – 19.11.2016


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In unseren Zeiten hat mehr denn je eine Hinwendung zum Körper stattgefunden, die sich in vielerlei Trends niederschlägt (Fitness, Tattoos, Ernährung). Dabei wird Körperlichkeit mehr denn je zu einer Schlüsselkomponente von Identität. Sind wir als moderne, individualisierte Menschen in der Ausbildung von einer Identität / von Identitäten auf unsere Körper zurückgeworfen?
Ebenso wie die ”Identität” wird der Körper im Spannungsfeld von Innen und Außen, innerem Körperempfinden und Bewegung im gesellschaftlichen Kontext, in der Balance von Affirmation und Abgrenzung verhandelt. Was bedeutet es also, einen Körper zu haben, eine Identität auszubilden? Diesen Fragen nähern sich die Künstler auf verschiedenen Wegen. In der Ausstellung sind Künstler*innen aus verschiedenen Generationen vertreten, die sich dem Thema über Fotografie, installative Arbeiten, Film und Malerei nähern. 

Izabella Gustowska (*1949 Poznań) hat sich schon früh mit der Rolle der Frau in gesellschaftlichen Prozessen auseinandergesetzt, und dabei immer wieder auf die unauflösliche Verbindung von Körper und Identität verwiesen. Sie thematisiert Intimität zwischen Frauen: als Schwestern, Freundinnen, homoerotische Beziehungen (Letzeres war zu Zeiten des Eisernen Vorhangs ein Politikum). 1988 bespielte sie den polnischen Pavillon auf der Venedig Biennale mit ihren Fragen nach Identität. Für ihre Relative Similarities imaginierte sie eine Zwillingsschwester, die als Double ein faszinierendes Spiel um das Erschaffen einer neuen eigenen Realität entwirft.

Ren Hang (*1987 Peking) nähert sich in seiner eigenen Bildsprache dem Thema Körperlichkeit an. Die analogen Fotografien erzählen von einem Sich-In-Beziehung-Setzen zu anderen und sich selbst. Junge Menschen – meist Freunde des Künstlers – posieren nackt in mal verletzlichen, mal provokativen Posen. Die teils skulptural anmutenden Körper sind dabei nie dem Blick des Betrachters ausgesetzt, die Modelle verlieren ihre selbstbestimmte Rolle nicht.

Natascha Stellmach (*1970 Melbourne) komponiert mit ihrer installativen Dokumentation zum The Letting Go Project, die manchmal fragile, oft unheimlich starke Beschaffenheit der Beziehung, derer sich die Probanden zu ihrem Körper, zu ihrem Sein durch den physischen und psychischen Akt der Bluttättowierungen bewusst werden. Über das Persönliche hinaus hat Shame, auch in der Funktion der Wunde, eine aktuelle kulturpolitische Relevanz.

Andreea Cioran (*1985 Bukarest) lotet in ihren #bodygoals die Ziele aus, die es gilt zu erreichen, um die Norm eines weiblichen Körpers, einer weiblichen Identität zu erlangen. Diese als „Schönheitsknochen“, „Bikini-Brücke“ umschriebenen Gipsabdrücke sind so artifiziell, dass sie wiederum als gewordene „brands“ zu Verkaufsprodukten avancieren. Kann man seinen eigenen Körper bauen, kaufen und, damit eng verknüpft, seine eigene Identität gestalten?

In seiner eigenwilligen Malweise interpretiert Eckart Hahn (*1971, Freiburg) das Ausstellungsthema über die Darstellung von Vögeln als Symbole der Freiheit und der gedanklichen Offenheit. Kritisch betrachtet er das Streben geistiger und körperlicher Selbstoptimierung  und des damit vermeintlich erweitert Selbst, indem man sich mit fremden Federn – in diesem Fall einem fremden Schnabel – schmückt oder sich eine neue Identität überstülpt: eine Bruchstelle bleibt.




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All I wanted was a Pepsi

16.09.2016 – 15.10.2016

Erweiterte Öffnungszeiten zur Berlin Art Week: Sonntag, 14-17 Uhr


WAGNER + PARTNER freut sich, die zweite Einzelausstellung des Malers Bastian Börsig zu zeigen. Der in Karlsruhe lebende Künstler ist in letzter Zeit einem größeren Publikum durch seine dynamisch-abstrakte Malerei bekannt geworden. Im Frühling dieses Jahres erschien ein erster Übersichtskatalog im Distanz Verlag.


Was macht die Aktualität und den Reiz von Börsigs Malerei aus? Zunächst stechen seine Bilder durch eine freche Farbigkeit, ja gar durch einen Witz hervor, der an der Grenze zum Comic siedelt. Poppig und anziehend wirken die Großformate des Künstlers auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick jedoch eröffnen sie ihre reflexive Tiefe. Dr. Marc Wellmann nähert sich dieser Frage durch den Verweis auf Börsigs Wirklichkeitswahrnehmung, indem er dessen Kompositionstechnik analysiert: Kalkulierte Abnutzung oder Beschädigung der Maloberfläche, fragile Balance der Verteilung von Farbflächen, Verschränkung von Motivschichten und gekonnter Einsatz von heterogenen malerischen Ausdrucksweisen.


Zumeist eingesetzt in großen Formaten führt dies dazu, dass Bastian Börsigs Bilder zwischen Wirklichkeit und Abstraktion oszillieren: „Zu spüren ist jedoch ein grundsätzlich Spekulatives zur Realität und zwar in dem Sinne, dass Börsigs Malerei Strukturen der Dinge aufdeckt, die mit der herkömmlichen begrifflichen Erfassung der Welt keine Beziehung mehr haben.“ 


Bastian Börsig wurde 1984 in Schwäbisch Hall geboren und studierte unter Prof. Erwin Gross an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Der Künstler erhielt das Kunststipendium sowie den Kunstpreis der Stadt Karlsruhe, außerdem war er u.a. Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg. 2010 erhielt er den Heinrich-Hertz-Preis.

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Simon Schubert

Jenseits von Ideen

24.06.2016 – 30.07.2016

Im Künstlergespräch befragte Amely Deiss, Direktorin des Kunstpalais Erlangen, Simon Schubert zu seiner Idee eines mit Papierarbeiten ausgekleideten fiktiven Hauses und zu dem Motiv des Geheimnisvollen. WAGNER + PARTNER freut sich erstmals Arbeiten von Simon Schubert zu präsentieren, dessen einzigartige Papierfaltungen die Grenzen von Zeichnung ausloten. Simon Schuberts installative Ausstellungsinszenierungen, in denen er in verschiedenen Medien arbeitet, sind häufig inspiriert von literarischen und philosophischen Quellen. In Jenseits von Ideen führt er uns - gleich Alices Sprung in einen Kaninchenbau in Lewis Carolls Geschichte - durch das Erdreich hindurch in einen mit papiernen Bildreliefs ausgekleideten Raum. Dieser Raum stellt den Beginn eines künstlerischen Großprojekts dar, in dem der Künstler eine Art begehbares, ebenfalls gänzlich mit Papier ausgekleidetes Haus erschaffen wird, in dem seine Reliefs in Bezug zueinander die Illusion eines tatsächlichen Hauses mit Durch- und Ausblicken ergeben.

Der Ausstellungsbesucher gelangt in diesen Raum, nachdem er/sie den mit Erde ausgelegten Flur der Galerie durchquert hat. Im vorderen Raum der Ausstellung wird er/sie in Schuberts Spiel mit Räumlichkeit und Narrationen eingeführt, in denen Zeit- und Raumgesetze aufgehoben zu sein scheinen. Das Symbol des Kaninchenbaus als Transitionsraum führt Schubert durch die ganze Ausstellung fort. Beispielsweise durch den Blick in einen Zylinderhut, in dem eine Videoarbeit eine weitere Raumillusion eröffnet. Auch die von Schubert entwickelte Technik der Papierfaltung eröffnet eine Raumillusion: sie begreift die Linie als eine Raumlinie und bedient sich der Komplizenschaft des Lichts, um feinste Schattenverläufe sichtbar zu machen. Durch die Oberflächenbearbeitung des einzelnen Papiers konstituieren die Papierinstallationen Raum. Die illusionäre, zweidimensionale Faltzeichnung wird zur Raumzeichnung.

Kontrastiert werden die ausschließlich weißen Papierfaltungen  durch Grafitzeichnungen, die mithilfe von starken Hell/Dunkelkontrasten, von Weiß bis Schwarz, Räume und Häuser bei Dunkelheit im Wiederschein von Lichtquellen zeigen. Diese Häuser werden teils von einer Feuersbrunst verschlungen oder sind auch nur schemenhaft im Zwielicht zu erkennen.

Mit Papier, Skulptur und Video arbeitet Simon Schubert die einzelnen Bilder von Räumen und die tatsächlichen gebauten Räume als Teile eines schier endlosen, sich stetig erweiternden Geflechts heraus. Der Betrachter wird in eine surreale, suggestive Welt versetzt, in die hinein und von der heraus sich unendlich viele Zu- und Ausgänge ergeben.



 Galerie Wagner + Partner
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Erwin Olaf

Skin Deep

28.04.2016 – 18.06.2016

Zum Artist talk sprach der Kunstkritiker und Kurator Jurriaan Benschop mit Erwin Olaf über Ästhetik und das Politische in der Serie Skin Deep.

Galerie Wagner + Partner freut sich, zum Gallery Weekend mit der Serie Skin Deep in der dritten Einzelausstellung von Erwin Olaf eine Mischung aus Fotografie und skulpturalen Arbeiten zu präsentieren. Die Haut in ihrer Nacktheit oder Verhüllung steht im Zentrum der Ausstellung, denn für Erwin Olaf gilt es im Kontext aktueller politischer Veränderungen, den nackten Körper als Sinnbild von Freiheit, Schönheit und Liberalität gegen alle Beschränkungen und moralischen Vorschriften darzustellen und zu verteidigen. Damit greift er auf sein politisches Denken zurück, das er aus dem Journalismus kommend bereits in seinen berühmten Serien Chessmen und Bodyparts sowie in seinem Engagement für die Schwulenbewegung einsetzte.

In seinen Fotoarbeiten zeigt der Künstler in einer Reihe von einfühlsamen Aktaufnahmen Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Die neuen Werke sind – neben der für Olaf typischen Ästhetik - noch reduzierter: alle Aufnahmen sind in leeren Räumen angesiedelt, deren verblichene Eleganz und Abgelebtheit im Kontrast zur kraftvollen Darstellung der Haut zu stehen scheint, und auch die Personen sind ihrer Kleider entledigt. Dadurch rückt ihre Haut und die sich ergebenen Formen stark in den Vordergrund. Durch die dramatische Lichtinszenierung und den malerischen Hintergrund wirken sie wie ein Portrait des Barocks.

Über die Fotografien hinaus werden in der Ausstellung zwei skulpturale Arbeiten zu sehen sein, die ein Kommentar Olafs auf den Besuch des iranischen Präsidenten in Rom sind. Anlässlich dieses Staatsbesuchs wurden nackte antike Skulpturen mit Kartons und Holzkisten verhüllt. Diese Art von Opportunismus kritisiert Erwin Olaf und stellt mit der Ausstellung Skin Deep einen liberalen, freien Umgang mit Körperlichkeit dagegen. Die Einschränkung von Meinungsfreiheit kommentiert er in seinem Selbstportrait Tamed

Erwin Olaf wurde 1959 in Hilversum, Niederlande, geboren und absolvierte 1980 seinen BA in Journalismus an der School of Journalism in Utrecht. Er wurde in zahlreichen Einzelausstellungen überall auf der Welt gezeigt und ist mit vielen  Preisen, u.a. dem Jan Vermeer Preis, geehrt worden.

Erwin Olaf ist Artist of the Year bei Ruinart und wird im Zuge der Kampagne beim Gallery Weekend Berlin, auf der Art Basel Hong Kong, Miami und Basel sowie auf der Art Brussels und der MiArt gezeigt.


Aktuelle Präsentation "Catwalk" im Rijkmuseum (Rezension im Spiegel)

 Galerie Wagner + Partner
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Mona Ardeleanu + Alfred Ehrhardt

Lost and Found

26.02.2016 – 02.04.2016

Die Ausstellung der Malerin Mona Ardeleanu (*1984) und des Fotografen Alfred Ehrhardt (1901–1984) setzt zwei deutsche Künstler unterschiedlicher Medien und Generationen in Bezug zueinander. Während die zwischen Abstraktion und Realismus oszillierenden Objekte Ardeleanus in ihrer besonderen Malweise Stofflichkeit und Geometrie verbinden, zeigen die avantgardistischen Schwarz-Weiß-Fotografien Ehrhardts aus den 1940er-Jahren stark kontrastierte Nahaufnahmen von Naturelementen. Neben dem seriellen, konzeptuellen Ansatz und einer ähnlichen Bildkomposition eint beide Arbeiten vor allem das Loslösen der Gegenstände vom Hintergrund. Das erhöht einerseits den Fokus auf die dargestellten Strukturen, andererseits gibt es den Objekten aber auch etwas Verlorenes – sie scheinen wie herumirrende Gebilde in einem leeren Raum.

In den Mustern und Stoffen auf den Gemälden Ardeleanus glaubt man Bekanntes zu entdecken, jedoch ergeben sich immer wieder Brüche in den Gebilden, sodass doch kein bestimmter alltäglicher Gegenstand zu erkennen ist. Den Arrangements liegt keine Vorlage zugrunde, sie entstehen während des Malprozesses auf der Leinwand. Ardeleanu malt diese vor einem einfarbigen Hintergrund, so entstehen amorphe Figuren von hoher Stofflichkeit und Räumlichkeit.
Dies geschieht auch bei den Aufnahmen Ehrhardts von Muscheln, Schnecken oder Korallen. Über Jahre dokumentierte er verschiedenste Lebewesen und Kristalle, diese fotografierte er vor schwarzen Hintergrund. Auch hier entstehen durch die Abhebung vom Grund geometrische Formen.

Doch was genau zeigen uns die Objekte, die so in einem immer gleichen Setting im Fokus stehen? Während Ehrhardt mit einem Titel das genaue Tier und dessen Gattung benennt, bleibt dies bei Ardeleanu offen, da sie in ihren Titeln - wie beispielsweise Circuit, Incline, Fold - lediglich auf die Form oder deren Beschaffenheit verweist. Das Augenmerk beider Künstler liegt auf dem konzeptionellen Umgang mit vertrauten Formen, die durch die Verfremdungsakte und die serielle Untersuchung ähnlich beschaffener Stofflichkeiten und Strukturen einen neuen abstrakten Charakter bekommen.

Mona Ardeleanu (*1984) machte von 2003 bis 2010 ihr Diplom in Freier Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Während dieser Zeit studierte sie 2004 bei Franz Ackermann in Karlsruhe, von 2008 bis 2009 bei Daniel Richter an der Akademie der bildenden Künste Wien und ebenfalls 2009 bei Karin Kneffel an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie gewann mehrere Stipendien, u.a. das Landesgraduiertenstipendium Baden Württemberg. Ihre Werke sind u.a. im Kunstmuseum Stuttgart, in der Sammlung des Landes Baden-Württemberg, im Marta Herford sowie in der Sammlung WÜRTH.

Alfred Ehrhardt wurde 1901 in Thüringen geboren und studierte Bildende Künste in Gera und Hamburg. Zwischen 1928 und 1933 war er am Dessauer Bauhaus u.a. bei Oskar Schlemmer, Josef Albers sowie Wassily Kandinsky. Er setzt sich in seinem Werk, vor allem in seinen naturphilosophischen Fotografien, mit dem Prinzip von Struktur und Form auseinander. Sein Oeuvre zählt zu den wichtigen Dokumenten der Neuen Sachlichkeit und wird seit seinem Tod 1984 von der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin verwaltet.


 Galerie Wagner + Partner
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Jan Berdyszak + Malgorzata Szymankiewicz

Steht in (k)einem Verhältnis

11.12.2015 – 13.02.2016

Mit der Duoausstellung von Malgorzata Szymankiewicz (*1980) und Jan Berdyszak (1934-2014) stellt die Galerie WAGNER + PARTNER zwei polnische KünstlerInnen vor. Beide haben, obwohl sie aus verschiedenen Generationen stammen, ihren künstlerischen Fokus auf das ungegenständliche Bild und auf den Prozess der vielfältigen Transformationen gerichtet, die dieses Medium seit etwa 1945 bis heute erfahren hat. Das ist zweifellos Malerei nach dem Ende der Malerei, die ihre selbstkritische und -analytische Kraft gezielt einsetzt, um nicht nur mit der Wirklichkeit in (k)einem Verhältnis zu bleiben sondern auch mit der Tradition der Gattung an sich.

Szymankiewicz und Berdyszak sind von folgenden Fragen getrieben: Auf welche Weise kann Raum auf einer Fläche überzeugend dargestellt werden? Bis zu welchem Grad kann man das Bild (de)konstruieren und fragmentarisieren, ohne seine Identität abzuerkennen? Was für ein Potenzial hat ein Loch oder eine Negativität im Bild? Wie kann man mit dem Phänomen der Abwesenheit spielen, um neue und überraschende Aspekte des Raumes sichtbar zu machen? Hat das Bild eine Möglichkeit seine Grenzen zu überschreiten und dabei im Rahmen der Malerei zu bleiben? Brauchen wir heute noch traditionelle, harmonisch ausbalancierte Kompositionen mit einer Bildmitte als machtvolles Zentrum? Die Bilder von Szymankiewicz und Berdyszak, die immer im Einklang mit dem Kontext stehen, wirken wie eine Art Falle für den Raum. Sie pendeln zwischen Moderne und Postmoderne, ignorieren alle Aufteilungen, die im Bereich der Kunstgeschichte herrschen.

Berdyszaks Bilder zählen sich zu sogenannten , die nicht mehr rechteckig sind. Die untypischen Formate bilden eine sehr starke Spannung zwischen Bild, Wand und Raum, den der polnischen Künstler aus der ontologischen und transzendenten Perspektive definiert hat - die Auffassung des Raumes als die eines ursprünglichen Seins weist Ähnlichkeiten mit den Anschauungen des deutschen Philosophen Max Bense auf, der den Raum als metaphysische Erscheinung betrachtet: „Am Anfang war der Raum. Erst im Raum geschieht alles, wandeln sich Tag und Nacht. […] Raum und Sein sind grundsätzlich identisch, sie sind das Eine und das Viele, und deswegen sind sie endgültig." Es hängt von dem Betrachter ab, ob er in den Bildern von Berdyszak nur Formalismus sieht oder auch ein Spiel mit dem Universum.

Szymankiewicz arbeitet sehr oft mit speziellen selbst entworfenen und gebauten Pinseln, um den gewünschten Anschein eines Gestus auf der Leinwand zu erreichen. Ihre Bilder halten so eine Balance zwischen Unpersönlichkeit und Individualität, aber auch zwischen Ordnung und Expression. Sehr bemerkenswert ist auch das Zeitgemäße Szymankiewiczs Malerei: die Serie kann als eine Auseinandersetzung mit der Möglichkeit von Originalität im Zeitalter des Internets interpretiert werden. Die Künstlerin arbeitet gerne medienübergreifend: sie entwickelt Objekte, die in einem spannenden Dialog mit ihren Bildern stehen. Was im flächigen Bild nur virtuell dreidimensional sein kann, materialisiert sich in der Form der Installation im Raum. Die Konstruktionen aus der Serie erwecken gleichzeitig Assoziationen sowohl an die Formen der ungegenständlichen Kunst als auch an Sportgeräte, die heutzutage zur Selbstoptimierung der Körper dienen. Szymankiewicz - als Repräsentantin ihrer Generation - mischt verschiedene Ästhetiken zusammen: die Tradition der elitären modernistischen Kunst und zeitbezogene popkulturelle Phänomene.
In der Kunst von Szymankiewicz - genauso wie in der von Berdyszak - ist der Betrachter mit Fragmenten konfrontiert, die als Ganzheit wirken. Die Antwort auf die Frage über den Unterschied zwischen Fragment und Ganzheit ist nicht mehr möglich. Ist das jedoch eine Frage, die nur im Bereich der Malerei gültig ist - oder auch allgemein im Kontext der Gegenwart?

Prof. Dr. Marta Smolińska

Universität der Künste Poznan


Die Arbeiten von Malgorzata Szymankiewiecz werden in Kooperation mit BWA Gallery in Warschau gezeigt.

2015

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 Galerie Wagner + Partner
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Sophia Pompéry

Berkeleys Katze

23.10.2015 – 05.12.2015

Zum Artist Talk am 18.11. sprach Maurin Dietrich (KW Institute of Contemporary Art, Berlin) mit Sophia Pompéry über das Analoge, Geschwindigkeit und die Täuschung von Wahrnehmungen.

Galerie WAGNER + PARTNER freut sich, mit Berkeleys Katze die erste Einzelausstellung der Berliner Künstlerin Sophia Pompéry in der Galerie anzukündigen. Die Ausstellung zeigt eine Serie von Arbeiten in verschiedenen Medien – Installationen, Video, Fotografie -, die sich mit den Elementen Wasser und Feuer auseinandersetzen.

Sophia Pompéry (*1984) begann ihre Karriere als eine der ersten StudentInnen am Institut für Raumexperimente bei Olafur Eliasson und zeigte ihre Arbeiten u. a. im Stedelijk Museum, an der Neuen Nationalgalerie Berlin und im Nassauischen Kunstverein. Ihre feinsinnigen, doppelbödigen Arbeiten finden ihren Ausgangspunkt in naturwissenschaftlichen Beobachtungen. Pompéry beschäftigt sich darin eingehend mit Wahrnehmungsfragen: Mit einem Sinn für Absurdität zeigt sie, wie unverlässlich, ambivalent und rätselhaft Wahrnehmung ist. Dabei spielt die Umkehrung und Umnutzung von Materialität eine große Rolle. Subtil und scharfsinnig schlägt Pompéry in ihren minimalistischen und schwerelos wirkenden Arbeiten eine Brücke zwischen Kunst, Philosophie und Physik. Fast beiläufig und in einer sehr eigenen Formsprache lässt sie hinter Alltagserscheinungen die großen philosophischen Fragen aufleuchten.



In diesem Sinne steht der Ausstellungstitel Berkeleys Katze: Am Beispiel einer Katze erläutert George Berkeley, Philosoph und Sensualist der Aufklärung, dass das Sein essentiell mit der Frage der Wahrnehmung verbunden ist, indem er die Frage untersucht, ob eine Katze auch dann eine Katze ist, wenn sie auf die Größe eines Elefanten anschwillt und man durch sie hindurchgreifen kann. Was ist also das Wesen eines Gegenstands, den wir wahrnehmen? Dieser Frage nähert sich Sophia Pompéry in der Ausstellung spielerisch über verschiedene Arbeiten zu den komplementären Elementen Feuer und Wasser: In der Installation Plopp Plopp scheint sich eine wie magisch aus ihrem Inneren heraus leuchtende Badewanne mit von der Decke tropfender Milch zu füllen. Palindrom nennt sich eine Art Wippe aus zwei Kerzen, deren längeres Ende sich nach unten neigt, dadurch jedoch schneller abbrennt und als kürzeres Ende nach oben kippt usw. “Wasser im Boot“ bedeutet normalerweise das Sinken eines Schiffes, in Dry Run wird das Boot jedoch durch das Wasser getragen. Mit den Werktiteln gibt Pompéry Hinweise auf die zweite philosophische Ebene einer Arbeit wie in dem Video Sheherazade, in dem auf kontemplative Weise eine Wasseroberfläche gefilmt ist. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Angelschnur, die fast unsichtbar in der Tiefe des Wassers nach einem Fang trachtet. In der Fotoserie Stilles Wasser spielt sie mit Wahrnehmungstäuschungen anhand eines einfachen Wasserglases, das über einer Tischkante zu schweben scheint oder einen unmöglichen Schatten wirft.


2015 Zitty October Portrait-Pompery

Ausstellungsansicht 2015: stoked Galerie Wagner + Partner
 Galerie Wagner + Partner

Bastian Börsig

stoked

04.09.2015 – 17.10.2015

Zum Artist Talk am 24. September sprach Bastian Börsig mit der Journalistin Adrienne Braun (art magazin, Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche Zeitung, nachtkritik.de) über Malerei und seine neuen Arbeiten.

Erstmals zeigt Wagner + Partner die kraftvollen Arbeiten des Malers Bastian Börsig (*1984, Schwäbisch Hall), der in diesem Jahr mit dem Kulturstipendium der Stadt Karlsruhe ausgezeichnet wurde, in einer Einzelausstellung in Berlin.

Der erste Blick auf ein Kunstwerk ist meist ein schneller Blick direkt auf das Kärtchen daneben, mit Titel, Jahr und Angaben zu Maßen und Technik. Bei Bastian Börsig gibt es diese Kärtchen auch – nur verraten und helfen sie uns nicht viel außer mit den technischen Daten. O.T. – wir müssen direkt auf die Bilder schauen, um die Sprache Malerei zu verstehen, in der Börsig mit uns kommuniziert.

Börsigs Bilder bewegen sich zwischen Gegenständlichem und gänzlicher Abstraktion bis hin zur Auflösung des eigentlich Dargestellten: Er setzt Farbe bewusst ein, um gegenständliche Assoziationen hervorzurufen, gegenständliche Bilder in unserem Kopf zu produzieren; aber niemals, um allein Gegenständliches zu malen. Eine blassrosa Form auf drei Beinen evoziert einen Euter, von Kinderhand gemalt; doch ein Euter selbst ist es nicht. Ein Männlein in Galoschen und mit dunkler Hose löst sich nach oben hin in ein großes rosafarbenes Rohr auf; ein Mensch ist es nicht, eher der emotionale Ausbruch des Männchens. Etwas scheint nicht zu stimmen. Bastian Börsig spielt bewusst mit unseren Assoziationen und Gedanken, mit unseren Erwartungen, um diese dann ins Leere laufen zu lassen.

Ein pastoser Farbauftrag lässt Ungreifbares haptisch erfahrbar machen, lasierte Flächen bilden einen Ruhepol. Die Lacke weisen oft ein merkwürdiges Craquelé auf, teilweise ist der Farbauftrag in grober Manier gehalten. Manchmal ist seine Malerei akribisch fein und Pinsel-breite Farbfelder werden durchzogen von Schnörkeln und dinghaft zarten Zeichen. Archaisch, emotional und trotzdem verspielt umschreiben seine Bilder Situatives. Wir sehen uns in seine bewegten Erzählungen ein, um dann festzustellen, dass auf den zweiten Blick alles ganz anders erscheint. Gänzlich losgelöst von tradierten Sinneseindrücken appellieren die Bilder an uns ohne Titel, um uns nicht in die Irre zu leiten.

Für Börsig – der sich selbst als abstrakter Maler versteht – ist ein Bild gut, wenn es einen Inhalt transportiert und gleichzeitig über Malerei spricht. Wie Magritte vielleicht deutlich machen wollte, dass das dargestellte Objekt und das Objekt selbst nicht identisch sind - egal wie realistisch beides dargestellt ist. Börsig zeigt in seinen Bildern auf, dass sehr wohl unterschieden werden muss zwischen Abbild und Realität.

Bastian Börsig hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert. Seine Arbeiten wurden in diesem Jahr bereits im Kunstverein Paderborn sowie im Kunstverein Hohnerlohe gezeigt. Börsig erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Kunststiftung Baden-Württemberg, den Heinrich-Hertz-Preis und den Kulturpreis der Stadt Karlsruhe.

 Galerie Wagner + Partner
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Tim Plamper + Sophia Pompéry

Der Raum der Worte ist nicht der Raum der Bilder

19.06.2015 – 01.08.2015

Artist Talk mit Dr. Anke Hervol von der Akademie der Bildenden Künste am 02.07.2015 ab 19:00 Uhr

Mit der Duoausstellung stellt die Galerie WAGNER + PARTNER zwei junge Berliner Künstler vor, die mit unterschiedlichen Medien – Installationen, Zeichnungen, Video - irritierende Untersuchungen unserer Wahrnehmung anstellen und sich mit den Unterschieden und Störungen zwischen den Kommunikationssystemen Wort und Bild auf eine sehr unkonventionelle Weise befassen. Für Sophia Pompéry als neue Künstlerin der Galerie ist dies zudem die erste Ausstellungsbeteiligung. Sie war Studentin Karin Sanders, Teilnehmerin am Institut für Raumexperimente von Olafur Eliasson und wurde mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

Die Trennung der Systeme Wort und Bild im Titel spielt mit deren Verwobenheit und zielt auf die Sprachlichkeit von Bildern und die Bildlichkeit unserer Sprache ab. Zugleich stellen die beiden Künstler Tim Plamper und Sophia Pompéry Fragen nach der Funktionsweise und der Verständlichkeit von Bild- bzw. Wortmetaphern, Symbolen oder Zeichen. In jeder ihrer Arbeiten ist, wie in einem doppelten Boden, eine weitere metaphorische Ebene verborgen. Zugleich vermögen sie reduzierte und subtile Werke zu schaffen, deren Materialität bemerkenswert poetisch und souverän behandelt wird.

Als Ausgangspunkt der Ausstellung zeigen beide Künstler jeweils eine Installation, die sich mit einem oder mehreren Klassikern der deutschen Literatur beschäftigt: Tim Plampers HK-MK transformiert die Satzstruktur von Heinrich von Kleists Novelle Michael Kohlhaas in eine skulpturale Arbeit aus langen Holzstäben, an denen die Übersetzung des zentrierten Schriftbildes in eine dreidimensionale Form erstaunlich erkennbar bleibt, obschon die Installation gleichzeitig an Raum gewordene Morsezeichen oder Eiweißreihung einer DNA erinnert. Sophia Pompéry vergrößert in ihrer Arbeit Und Punkt die letzten Satzpunkte der Erstausgaben von 15 deutschen Liebesromanen aus drei Jahrhunderten unter dem Mikroskop. Die sich in faserige Strukturen auflösenden Schlusspunkte verknüpfen die formale Ebene auf melancholisch Weise mit der inhaltlichen Frage nach dem Ende von Geschichten.
Um diese beiden zentralen Arbeiten gruppieren sich andere Werke beider Künstler in Auseinandersetzung mit dem Thema Kommunikation: Plampers kleinformatige Digitaldruckserie Chiffren für zehn Dispositionen von einem industriell geformten Gartenstuhl wird ergänzt durch kleine Bleistift-Zeichen, die die Gestik des abgebildeten Stuhls mit der Bewegung des Stifts nachahmen. Diese Zeichen erinnern an die unleserliche Schrift einer zittrigen Hand. Die Gestik der schreibenden Hand bleibt in der Linie sichtbar und macht den Stuhl zum Zeichen ohne Sitzfunktion. Weiterhin zeigt er die Videoarbeit Which direction, die wie ein absurder Schwarz-Weiß-Film erscheint, der Gegenstände aneinander reiht, aber unter Verwendung doppeldeutiger englischer Begriffe eine Geschichte erzählt.
Wenn Pompéry sagt, dass sie „mit Sprache nicht kann“, folgen wir in ihren Arbeiten ihrem Ringen um das Verwirrspiel mit und in der Sprache. Die Künstlerin zeigt eine Serie von Arbeiten mit Spiegeln, in die sie Aussagen eingraviert hat wie: I can see a real future for us oder Don’t worry, I’ll find you a new problem. Auf ironische Weise spielt sie hier mit der Blickpunktverschiebung, die entsteht, wenn man sich, die Worte lesend, gleichzeitig im Spiegel sieht und fragt: Wer spricht denn nun eigentlich zu mir? Im Video Eratnac Imetaihsal (Lasciatemi Cantare) singt die Künstlerin einen eingängigen italienischen Popsong rückwärts ein, um ihn in der Folge zurück zu drehen und zu spiegeln.

Die Sprache der Gestik greifen beide Künstler auf: Pompéry mit der Fotoserie Rhetorische Übung, in der Glashände uns allen bekannte Gesten von Politikern nachstellen. Die gestische Kommunikation als Mittel der Machtdemonstration steht hier dem virulenten Thema der Transparenz von Machtverhältnissen gegenüber. Virtuos sinnlich und kontrolliert zeichnet Plamper (Körper und Gedächtnis #01 + #02) als filmisch anmutende Überblendungen gestikulierende Hände so, dass die Grenze zwischen Standbild-Zeichnung und Bewegtbild verschwimmt.

Tim Plamper (*1982 in Bergisch-Gladbach) arbeitet gerne medienübergreifend, hat aber einen künstlerischen Fokus auf Zeichnungen. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Alexander Roob. Er nahm an Ausstellungen u. a. im Nassauischen Kunstverein, im Kunstverein Eislingen und im Künstlerhaus Bethanien teil.

Sophia Pompéry (*1984 in Berlin) studierte freie Bildhauerei an der Kunsthochschule Weissensee in Berlin bei Karin Sander und Eran Schaerf, war dort Meisterschülerin und nahm anschließend am Institut für Raumexperimente von Olafur Eliasson an der UdK teil. 2015 erhielt sie den Jaqueline-Diffring-Preis, nahm an Ausstellungen u. a. im Stedelijk Museum, 's Hertogenbosch / NL, im MARTa Herford, im Museum of Contemporary Art Tokyo, im Kunstverein Kassel und im Nassauischen Kunstverein in Wiesbaden teil. Ihre Arbeiten sind u. a. in den Sammlungen des Kunstmuseums Bonn, René Block und ARTER Space for Art, Vehbi Koç Foundation, Istanbul vertreten.


Watch ERATNAC IMETAISHAL: Sophia Pompery, 2007, video projection, 4:12min, PAL, colour, sound

Eratnac Imetaishal (Lasciatemi Cantare) from Sophia Pompéry

ERATNAC IMETAISHAL (Lasciatemi cantare) is a mirroring in time. Melody and words were sung backwards. After recording this interpretation the film was played backwards as well, so that the backwards-singing turned out to be the well known melody again.

 Galerie Wagner + Partner

Ruud van Empel

Souvenir

01.05.2015 – 13.06.2015


Zum Gallery Weekend eröffnet Wagner + Partner mit dem renommierten Fotokünstler Ruud van Empel (*1958, Niederlande). Bekannt wurde van Empel mit der Serie World, in der er adrett gekleidete, farbige Kinder in exotischen Welten postiert.

Die Ausstellung Souvenir gewährt einen Einblick in das Werk van Empels, der mit ausdrucksstarken Fotomontagen unter anderem das Thema Kindheit unter dem Blickwinkel der biografischen Erinnerung und der Unschuld immer wieder neu beleuchtet. Zentrale Motive sind faszinierende und zugleich verstörende Kinderportraits, die in naturähnlichen Landschaften, die an Arrangements in Fotostudios erinnern, hineingeschnitten wurden. Inhaltlich schließt van Empel an die flämische Tradition des Portraits bzw. Stilllebens an, wobei er zwischen der Bildsprache der Massenmedien und nostalgischen Einflüssen balanciert. Seine Affinität zur Popkultur zeigt sich in der grellen Farbigkeit seiner Arbeiten, aber auch im typisierten Aussehen der Kinder. Dabei spielt er mit Klischees sowie deren Verfremdung und hält den Betrachter bewusst in einer ambivalenten Haltung.

Wagner + Partner zeigt mit Office (1996) auch frühe Werke, in denen die Referenzen an Werbung und Filmsets noch deutlich sichtbar sind.

Die verschiedenen Serien eint van Empels Ansatz der Foto-Montage, die eine Gleichwertigkeit aller Motive behauptet. Virtuos einsetzt, führt sie den Betrachter in eine realistisch anmutende Welt, in die er einem Theaterregisseur ähnlich Menschen und Gegenstände inszeniert. Seine Collagetechnik arbeitet mit der dem Foto eigenen Suggestion von Wahrheit, die auf Grund der digitalen Überarbeitungsmöglichkeiten von Fotografien als Fiktion enttarnt wird.



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Eckart Hahn

Myzel

20.03.2015 – 25.04.2015

Artist Talk mit Marie Kaiser (radioeins) am 15.04.2015 in der Galerie

Wagner + Partner freut sich, mit Myzel die vierte Einzelausstellung des Malers Eckart Hahn (*1971) in Berlin zu präsentieren.

Myzel verbindet - wie ein assoziativer Spaziergang - eine Reihe von Arbeiten, in denen Hahn seine symbolhaften, surreal anmutenden Bildthemen durch einen überraschenden Umgang mit der malerischen Oberfläche auf die Spitze treibt. Er legt in der Arbeit Concerto Fragile beispielsweise malerisch abdunkelnde Bereiche über das Bildmotiv, so dass ein brüllender Chor von Tieren wie stummgeschaltet erscheint oder er reißt mit hellen oder dunklen Spots bestimmte Bildpartien aus ihrer Harmonie heraus.

Formale Brüche in einer realistischen Darstellungsweise sind für Hahn wichtige Bestandteile seiner Arbeit. So bezeichnet er die Oberfläche als eine Art Körpersprache der Bildidee.

Wiederkehrend in seinen Bildern sind Tiermotive mit einer mittelalterlich anmutenden Symbolik als menschliche oder dämonische Kräfte wie in der Arbeit Horseback oder hyperrealistische gemalte Massen, die wie ausgedrückte Ölfarben eine Reflexion über den Prozess des Malens darstellen. Fast scheinen sie in der Arbeit RGB wie ein ironischer Kommentar Eckart Hahns auf die Mühen der Bildproduktion: ein pfauenähnlicher Vogel legt statt des Eies des Kolumbus nur ein paar mühsame Farbkleckse in den Grundfarben Rot, Grün und Blau.

Seine differenzierte Farbmodulation und das Behandeln seiner Motive verleiht den Bildern eine eigentümliche Stille. Sein besonderer Umgang mit der malerischen Oberfläche und das Umkreisen wiederkehrender Bildmotive verbinden die Bilder Hahns jenseits ihrer singulären Aussagen. Diese Verknüpfung umschreibt der Künstler mit einem Pilzgeflecht (Myzel):

„Es ist das feine unsichtbare Geflecht im Boden. Es ist der eigentliche Pilz, von dem man nur die Fruchtkörper an der Oberfläche sieht. So sehe ich meine Arbeit: Ein Gespinst aus unsichtbaren Strängen, die im Bild sichtbar werden" (Eckart Hahn).


 Galerie Wagner + Partner
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Dreams & Disappointments

Peter Bialobrzeski, Stefan Kürten, Jyrki Parantainen, Ina Weber, Thomas Wrede

19.12.2014 – 21.02.2015

Städte sind Lebens- und Wirtschaftsräume. Welche Projektionsflächen für Träume oder Veränderungen bieten sie? Welchen Raum im doppelten Sinne des Wortes stellen sie zur Verfügung? Wohnen in der Kleinstadt oder Metropole – wie verändert es Menschen?

Die fünf ausgestellten Künstler reißen dieses Spannungsfeld jeweils auf sehr eigene Weise an. Der Düsseldorfer Maler Stefan Kürten (*1963) thematisiert in seinen architektonischen Bilderfantasien Anziehung und Abstoßung von Häusern und stilisiert das Eigenheim zum Symbol: „Das Haus wiederholt die Grenzlinie zwischen Sicherheit sowie Ausgesetztheit und Bedrohung, die auch zwischen den einzelnen Subjekten und der sie umgebenden Welt verläuft" (Stefan Berg).

Der Fotokünstler Thomas Wrede (*1963) stellt den Stadt- und Siedlungsraum als Projektionsfläche dar. Seine Serie „Domestic Landscapes" zeigt private Interieurs, die durch Fototapeten zu romantisch oder klischeehaften Orten mutieren.

Daran schließen die Skulpturen von Ina Weber (*1964) an, die zugleich die Vergänglichkeit von architektonischen Moden in ihrem Werk einschließt und, wie Katja Blomberg zur Ausstellung im Haus am Waldsee schreibt, darüber nachdenken lässt, „was Besitz, Wert, Konsum, Humor, Nachhaltigkeit, Zeit und Veränderung heute für uns bedeuten."

Mit der Fotoserie „Case Study Homes" aus 2008 studiert Peter Bialobrzeski (*1961) urbane Strukturen von Behausungen, die sich in Manila zwischen zwei Endbahnhöfe drängen. Diese absonderlichen Bauten aus Abfallmaterialien sind ein bewundernder Blick auf die Kreativität, mit der Menschen sich ein Heim schaffen.

Während sich die vier deutschen Künstler dezidiert über die Architektur mit dem Stadtraum und den sie belebenden Menschen auseinandersetzen, richtet sich der Blick des finnischen Fotografen Jyrki Parantainen (*1962) direkt auf den Menschen. Seine titelgebende Fotografie „Dreams & Disappointments" zeigt ein monolithisches Hochhaus, umgeben von Worten wie „Hoffnung", „Geheimnis" oder „Geburt", das in seiner spürbaren Ambivalenz zugleich Zeichen für Aufbruch und Resignation ist.

2014

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 Galerie Wagner + Partner

Miklos Gaál

Pieces of the Sky

31.10.2014 – 13.12.2014

Künstlergespräch mit Dr. Lars Mextrof, 13.11.2014

Wagner + Partner zeigt zum sechsten Monat der Fotografie in Berlin eine Zusammenstellung von Fotografien, Videos und Siebdrucken von Miklos Gaál (*1974, Finnland) aus den letzten Jahren.

Die Arbeiten in Pieces of the Sky verbinden hierbei eine unbestimmt-vage und transitorische Qualität, welche unser gegenwärtiges Sein als eine Art von künstlichem Zustand sichtbar macht. Miklos Gaáls Interesse gilt weniger dem Dargestellten selbst, das man unhinterfragt für real hält und als gegeben akzeptiert, als dessen "Stellvertretercharakter" in einem erweiterten Sinne. Gaál konzentriert sich in seiner künstlerischen Praxis auf die Art und Weise, wie etwas Dargestelltes sich zu unseren Vorstellungen und Beschreibungen hierüber verhält. Er ermöglicht uns so, unsere Erfahrung zu relativieren und durch Vergleiche zu erkennen, wie wir unsere Wirklichkeit gewohnheitsmäßig konstruieren und wie uns Realität durch Dinge zuteil wird.

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Claas Gutsche

Changing truth

12.09.2014 – 25.10.2014

Artist Talk mit Sven Drühl in der Galerie, 16.10.2014

Claas Gutsche (*1982) fokussiert sich auf eine erst in den letzen Jahren wieder zeitgemäß gewordene grafische Technik, den Linolschnitt. Seine teils übergroßen Formate, gedruckt auf Japanpapier, setzen sich mit medialen Bildern und ihrer Umdeutung auseinander.

Mit changing truth widmet sich Gutsche erstmals stärker seiner Herkunft und greift zu Bildvorlagen, die ausschließlich Architektur oder Gebäudeelemente zeigen, die in direkter Verbindung zur DDR stehen. Wie prägt Architektur unsere Erinnerung einer bestimmten Zeit und wie verändern Bilder, insbesondere Fotografien, diese Eindrücke nachträglich?
Gutsche verweist mit seinen menschenleeren und kulissenhaft wirkenden Bauten auf den Umstand, dass Architektur immer den Kontext ihrer Entstehung einzuschließen scheint.
In dem der Druckgrafik eigenen, harten Schwarzweißkontrast werden die Informationen, die die von Gutsche genutzten Bildvorlagen einst bargen, reduziert auf Licht und Schatten – auf Sichtbarkeit oder Ausradiertsein.

Über die „Kunst am Bau" waren und werden viele Menschen angesprochen. Vor allem in Gutsches neuen Arbeiten transportieren und verbergen die DDR-Fassaden mit ihren Gestaltungen das, was sich unter der Oberfläche befindet. Oft ist es der Werktitel, der mehr über den historischen Kontext verrät, welcher hier nur reduziert sichtbar und von der Druckerschwärze wortwörtlich überschattet ist.
Die Arbeit Der neue Mensch zeigt eine jener typischen, oft als Mosaik oder Putzmalerei gestalteten, Gebäudeseitenwände, hier des ehemaligen Magnetkaufhauses in Eisenhüttenstadt. Das Wandbild „Produktion im Frieden" von Walther Womacka prangt wie ein Werbebanner am Baukörper, das so Träger einer politischen Aussage war, die zwar heute noch öffentlich sichtbar, jedoch für uns schwer zu entschlüsseln ist. Mit dem Ende der DDR haben die Inhalte der Großmosaike und Fassadenmalerei an Bedeutung verloren. Werden nun diese Gebäude zerstört, bleibt allein die Vorstellung, die aus medialen Bildern gewonnen werden kann.

Jenes Fassadenelement, das Concrete zeigt, lässt sich zwar allgemein in der DDR-Architektur verankern, jedoch nicht mehr auf ein bestimmtes Gebäude mit besonderer Aufgabe reduzieren. Das Zierelement ist ein zurückhaltendes und doch sehr konkretes steingewordenes Symbol. Hinter banal wirkenden Ausschnitten von Gebäudehäuten oder Interieurs verbergen sich dutzende Bilder, die nur in Ostdeutschland aufgewachsene Betrachter direkt abrufen können. Ihnen folgen persönliche Erinnerungen an Geschehnisse, Begegnungen oder historische Momente.
So besitzen Gutsches Linolschnitte deutlichen Zeitbezug und sind geprägt von inhaltlicher Tiefe, die sich dem Betrachter erst nach und nach eröffnet.

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Mona Ardeleanu

Kaleidoskop

27.06.2014 – 09.08.2014

Künstlergespräch mit der Kritikerin und Journalistin Birgit Sonna in der Galerie am 10.07.2014

Ardeleanu malt altmeisterlich konstruierte Fantasiewesen, kostümierte Gestänge oder flatterhafte Staffagen. Diese Wesen scheinen uns vertraut, denn sie greifen auf unsere Erinnerung von Stofflichkeiten und Muster zurück. Haptische und olfaktorische Assoziationen bilden sich schnell. Man kann die dünne Gaze oder die Glattheit von Pelz fühlen und sogar den Geruch alter Kleider wittern. Ein Faden flattert oder ein dicker Molton hängt über einer Kugel, die Kopf und Lampenschirm zugleich ist.

Ihre irritierend lebendigen Objekte formulieren Wesenhaftes wie ein gelungenes Portrait, obwohl sie doch nie Gesichter abbilden. So erinnern wir uns an den Anblick von Omas Kleiderschrank, Bügel und verdrehte Perücken, Streublumen auf einem Tuch und das blaue Muster auf ihren Porzellantassen.

Ardeleanus Gebilde entstehen nie nach Vorlagen oder Modellen. Mit Titeln wie: Schnürungen, Zwirbel oder Falter ordnet und untersucht sie ihre Bilder stets in Serien. Auf den ersten Blick scheint die Logik von Ardeleanus im leeren Umraum schwebenden Wesen perfekt. Jedoch passen die Größenverhältnisse nicht und Innen- und Außenräume widersprechen sich. Es bleibt keine Möglichkeit zu verstehen, was wirklich passiert. Ihr konzentrierter Blick auf Details wie Musterungen und Funktionales wie Schnüre und Knoten führen in die Irre. Ardeleanus malerische Erfindungen rufen irritierende Konnotationen hervor, die ungeklärt bleiben. Neben jenen Erzählungen, die sich für den Betrachter in ihren Bildern finden und die unergründlich bleiben, geht es Ardeleanu selbst um eine sinnliche und in ihrer Stofflichkeit ganz selbstverständlich wirkende lustvolle Malerei.

Wagner + Partner freut sich nach der erfolgreichen Einzelausstellung im Kunstmuseum Stuttgart neue Arbeiten der Malerin zeigen zu können.

 Galerie Wagner + Partner

Raïssa Venables

Clearing Space

09.05.2014 – 21.06.2014

Raïssa Venables ist mit Fotos perspektivisch verzerrter Räume bekannt geworden, die digital aus hunderten von Nahaufnahmen zu einem Bild zusammen gesetzt werden. Ihre brillanten Oberflächen ziehen den Betrachter durch wechselnde Tiefenschärfen in das Foto hinein, wobei eine gewisse Irritation und Schwindelgefühl hervorgerufen werden. Dabei bleiben die Oberflächenschichten des Fotos isoliert und verwoben zugleich. Gerade weil die Einzelaufnahmen aus jeweils leicht anderen Blickwinkeln aufgenommen wurden, scheint sich das Motiv zu bewegen. Als ob uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird, gerät unsere herkömmliche Raumwahrnehmung ins Wanken.

Zu Venables bisherigen Motiven zählen vor allem Interieurs. Ihre Arbeiten erkunden private Räume wie Schlafzimmer, Treppenflure, Wohnwagen und Zelte sowie öffentliche Bauten wie Kirchen, Bahnhöfe oder Aufzüge.

Für ihre neuen Arbeiten geht Venables nach draußen, nutzt jedoch dieselbe, auf einer Kombination von analoger und digitaler Fotografie basierender, Aufnahmetechnik, um Naturansichten zu fotografieren. Für die Künstlerin, die sich zuvor der Architektur gewidmet hat, ist dieser Schritt eine deutliche Veränderung ihrer künstlerischen Praxis.

Auch der Entstehungsprozess der Arbeiten ist ein anderer geworden: Statt jedes Detail der Orte, die sie mit der Kamera einfängt, zu enthüllen, schneidet und löscht sie alle Nebensächlichkeiten aus. Das Weiß in ihren Fotos ist nicht nur Resultat der Auflösung, sondern auch der Versuch banale Informationen auszuradieren – eine Reaktion auf die Übersättigung unserer Gesellschaft mit technisch kommunizierten Informationen. Das Weiß in den Bildern wird selbst zur Botschaft.

Der künstlerische Prozess und die Konstruiertheit von Venables Bildwelten ist offensichtlich. Sie zeigt die Manipulierbarkeit der Fotografie. Spuren und Übergänge zwischen den Einzelbildern bleiben als Schnittkanten oder Risse sichtbar und erinnern an die Perspektivbrüche kubistischer Gemälde. Der collagenhafte Charakter der Fotos verstärkt sich und die Distanz zur seit der Renaissance geltenden Zentralperspektive wird vergrößert.

Peter Dreher

Tag um Tag guter Tag (1974 - 2014)

14.03.2014 – 03.05.2014

Bereits 1974 begann der Künstler Peter Dreher (*1932) sein einzigartiges Malereiprojekt Tag um Tag guter Tag. Seither hat Dreher unter annähernd gleichbleibenden Bedingungen ein leeres Wasserglas in Öl auf Leinwand gemalt, teils nachts, teils tags. Entstanden sind nahezu 6.000 solcher Bilder vom Glas im Maß 25 x 20 cm. 2014 jährt sich die Serie zum 40. Male.

Aus diesem Anlass bedankt sich die Galerie Wagner + Partner für die 14 jährige Zusammenarbeit mit einer Jubiläumsausstellung und zeigt die jüngsten Werke aus der Reihe Tag um Tag guter Tag.

Nie zuvor hat ein konzeptuell arbeitender Maler seine Idee so konsequent verfolgt und auf den Punkt gebracht. Zugleich aber hat sich Peter Dreher, der viele Jahre auch als Professor an der Akademie der Künste in Karlsruhe lehrte, die Freude an der Malerei als solcher erhalten. Jedes Bild vom Glas ist zugleich Teil eines großen Konzeptes und eine Ode an die Malerei. Dreher beweist damit einmal mehr, dass sich Schönheit, Simplizität und zeitgenössische Kunst durchaus vertragen.

Das Werk Peter Drehers ist den letzten Jahrenzunehmend international rezipiert worden. Vor allem im Kontext mit jüngeren Künstlern erfährt es eine ständige, durchaus wechselvolle Deutung, die Dreher schon jetzt als einen der wichtigsten deutschen Künstler nach 1945 erkennen lässt. Seine Werke sind in wichtigen Institutionen wie dem Kolumba, der Kunsthalle in Karlsruhe oder dem MAMCO in Genf wie auch in vielen Privatsammlungen weltweit zu sehen.

Peter Dreher signiert seinen neuen Katalog: Freitag, 02.05. um 15 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Josef Wittlich

Celebrities

24.01.2014 – 08.03.2014

Mit Celebrities eröffnet die Galerie Wagner + Partner die erste Ausstellung mit dem malerischen Werk Josef Wittlichs. Gezeigt werden elf Arbeiten aus dem Themenkomplex, der Königinnen, Potentaten und ganze Adelsfamilien - Celebrities der 60er Jahre - abbildet.

Wittlichs Malereien wurden bislang als Outsider-Art rezipiert und seit Ende der 60er Jahre auch vielfach in Ausstellungen gewürdigt. Dennoch sticht sein Werk mit einer klaren Farbwahl und unerschrocken wirkenden Linienzeichnungen aus dieser Kunstgattung hervor. Die Einordnung seiner Malerei innerhalb der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts erfordert eine Klassifizierung fern ab der "Randgruppenkunst" und "Sonntagmalerei". Auch die ausschließlich vor dem Hintergrund seiner persönlichen Lebenssituation vorgenommene Auslegung und Würdigung von Wittlichs Malweise scheint zu kurz gegriffen. Vielmehr steht seine künstlerische Handschrift mit ihrem hohen Wiedererkennungswert jenen Bildwelten von Warhol und Lichtenstein nahe. Fern von den Zentren der Pop Art entwickelte Wittlich schon vor deren Boom in den 60er Jahren unbeeinflusst von der Kunstwelt ein Werk, das lange verborgen blieb. Für Prof. Dr. Grewenig (Generaldirektor des Weltkulturerbe Völklinger Hütte) ist Josef Wittlich die Neuentdeckung des AvantPops.

Wittlich, der nie Kunst studierte, wurde 1903 in Gladbach/Westerwald in ärmlichen Verhältnissen geboren. Er ist Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft und später als Knecht in der Nähe von Höhr-Grenzhausen tätig. Dort malt in seiner Stube meist nachts, bei schlechtem Licht. Ist ein Bild abgeschlossen, rollt er die oft auch großzügigen Formate zusammen, legt sie bei Seite und beginnt von Neuem.
Nach dem 2. Weltkrieg geht Josef Wittlich zurück nach Höhr-Grenzhausen, wo er bis zu seiner Rente in einer Keramikfabrik arbeitet. In der Freizeit malt er unablässig, von seinen Kollegen belächelt und verkannt. 1967 endeckt der Maler Fred Stelzig Wittlichs Arbeiten an dessen Arbeitsplatz in der Fabrik. Stelzig ist es zu verdanken, dass Wittlichs reiches Werk das erste Mal 1967 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart ausgestellt wird. Er stirbt unverheiratet und kinderlos 1982.

Wittlichs Bildwelt umfasst im Wesentlichen drei Motivfelder: Schlachtenbilder und Soldaten, Portraits von Königinnen und Potentaten sowie viele Bilder von Frauen. Er malte sie nach Bildvorlagen, die er Illustrierten entnahm, ohne das fotografisch Eingefangene jedoch einfach nur zu übertragen. Zwischen Vorlage und Gemälde spannt sich ein hoher Abstraktionsgrad. Auch scheint er sich in seinen Gemälden oft auf bestimmte Bilddetails zu konzentrieren.
Ungeheuer schnell, warf Wittlich sein Bleistift-Liniennetz aufs Papier, versah die entstandenen Felder mit Farbbezeichnungen – rot, grün, blau – , malte dann die unverkennbaren schwarzen Linien und zum Abschluss die Farbfelder aus. Auch diese Vorgehensweise erinnert unwillkürlich an Andy Warhols "Do It Yourself (Landscape)" von 1962.

Seine so selbstverständlich und doch mit klarem Instinkt dahin geschriebene Portraits vereinen auf spannende Weise Ornament und Abstraktion. Wittlichs Blick auf die Celebrities seiner Zeit wirkt entfremdet und bewundernd. In seinen Malereien wird eine Welt wiedergegeben, der er selbst nicht angehört und die einzig über das Zeitschriftenmaterial für ihn zugänglich scheint.

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Scheitern - So many ways to fail

Anna und Bernhard Blume, Marcel Broodthaers, Miklos Gaál, Claas Gutsche, Eckart Hahn, Mike Kelley, Lars Ø Ramberg, Natascha Stellmach

22.11.2013 – 18.01.2014

Sind wir nicht alle schon einmal gescheitert? Scheitern ist schmerzhaft, gehört aber zum Leben. Gerade heute ist es kaum noch möglich, einen gradlinigen Lebensweg zu planen und Scheitern allgegenwärtig. Es genügt, nicht den Normen und Werten der Gesellschaft zu entsprechen, um als gescheitert zu gelten. Auch hat das Scheitern eine zutiefst persönliche, am Selbstbewusstsein kratzende Facette und ist oftmals mit dem Nicht-Erreichen von selbst gesteckten Zielen verbunden. Erfahrungen des Scheiterns sind zwar alltäglich, doch sind sie in der auf Erfolg und Effizienz ausgerichteten westlichen Welt vornehmlich negativ behaftet – „I´m a loser baby, so why don´t you kill me?" singt der US-amerikanische Musiker Beck.

Wie aber steht es mit dem Scheitern in der Kunst? Kann man in der Kunst überhaupt scheitern oder ist das Scheitern nicht gar Voraussetzung für den kreativen Prozess? In der Ausstellung Scheitern – Many ways to fail wird jenes Phänomen von der künstlerischen Seite beleuchtet. Ganz im Sinne Christoph Schlingensiefs, der in dem Wahlkampfslogan für seine Partei Chance 2000 „Scheitern als Chance" verstanden hat, zeigt die Ausstellung Werke, in denen das Scheitern nicht nur als unumgänglich akzeptiert, sondern auch für die künstlerische Arbeit fruchtbar gemacht wird. Es werden unterschiedliche Aspekte des Scheiterns untersucht, die auch eine positive Wertung erfahren. Letztlich veranschaulicht die Ausstellung ein „Lebensgefühl des Scheiterns", bei dem Missgeschicke, Flops und Tiefschläge in Kreativität umgemünzt, mit Humor hingenommen oder für einen befreienden Neustart genutzt werden.

Weitermachen ist die Devise! Das gilt beispielsweise für Marcel Broodthaers, der im Film La Pluie (Projet pour un texte) einfach nicht aufgibt: obwohl der Text, den er schreiben möchte, sofort vom strömenden Regen ausgelöscht wird, arbeitet er stoisch an seinem Projekt weiter. Anna und Bernhard Blume dagegen kämpfen in der Fotoserie „de-konstruktiv" mit dem konstruktivistischen Formenkanon und setzen einen buchstäblich kaputten Piet Mondrian ins Werk. Kaputt war auch der Zaun auf Miklos Gaáls Fotoarbeitbevor er durch Improvisation wieder geflickt wurde. Eckart Hahns Gemälde Wallpaper dagegen kann als Verweis auf die Hybris der Wissenschaft gelesen werden, wobei gerade deren Arbeitsweise mit immer neu aufzustellenden Versuchsreihen und Experimenten auf dem Prinzip des Scheiterns und Wiederversuchens beruht. Auch für Mike Kelley war das Scheitern bzw. das Vermischen von Hoch- und Alltagskultur immer wieder Thema: in „We Communicate Only through Our Shared Dissmissal of the Pre-Linguistic" nutzte er die Kunsterzeugnisse von Kindern als Ausgangspunkt, um die Methoden der künstlerischen Ausbildung sowie der kunsttherapeutischen Analyse von (Kinder)Kunst zu hinterfragen. Claas Gutsche und Lars Ø Ramberg wiederum befassen sich in ihren Werken mit dem Niedergang der DDR bzw. dem Scheitern politischer Systeme. In Natascha Stellmachs Letting Go Projekt schließlich geht es darum, das Scheitern als Grundlage für einen persönlichen Transformationsprozess zu nutzen.

Künstlerdiskussion mit Claas Gutsche, Eckart Hahn und Natascha Stellmach moderiert von Jan Kage: 16.01.2014 um 19 Uhr.

2013

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Erwin Olaf

Homage to Berlin

06.09.2013 – 16.11.2013

Für Homage to Berlin bereiste Erwin Olaf sieben Orte der Hauptstadt, und schon dieser Fakt stellt die Fotoserie neben seinen Studiofotografien heraus. Alle gewählten Orte - das Olympiastadion, das Schöneberger Rathaus - für immer verbunden mit Kennedys viel zitierten Worten „ Ich bin ein Berliner", Clärchens Ballhaus, das Alte Stadthaus an der Klosterstraße, das Stadtbad Neukölln, die Fechthalle am Westend und Innenräume der Freimauerloge besitzen für ihn subjektiv ästhetischen und historischen Erzählwert.

Die Fotografien führen mit ihren perfekt komponierten atmosphärischen Stimmungen in eine Stadt verschiedener Zeiten. Wir finden uns wieder im Berlin des Franz Bieberkopf der 20iger Jahre – einer verruchten, gewalttätigen und stetig anwachsenden Großstadt oder auch dem Berlin als Hort des aufkeimenden Nationalsozialismus. Von diesem historisch inspirierten Standpunkt blickt Olaf auf das Berlin von heute - eine weltweit als unkonventionell, kreativ, jung und offenherzig geltende Metropole.

Olaf operiert, wie in all seinen fotografischen Serien, zielgerichtet und präzise mit Licht und modelliert die Farbwelten meisterhaft. Mit dieser malerischen Arbeitweise zitiert er für die Berlinserie augenscheinlich aus den Bildwelten der Neuen Sachlichkeit.

Die Düsterkeit und kühle Präzision der Fotografien Erwin Olafs irritiert. Kinder an der Schwelle zum Erwachsensein, begegnen dem Betrachter mit herrisch selbstbewusstem Blick. Für Olaf sind es gerade diese Kinder, denen in der heutigen Zeit so viel mehr Macht über ihre Umwelt zufällt als noch vor zehn Jahren. Wie zwischen den Zeilen lässt sich hier wieder das Heraufdämmern einer entfesselten und unkontrolliert wuchernden Macht in einer wachsenden Stadt der 20iger Jahre lesen. In anderen Rollen treten alte Weiber auf, die ihre letzten verbliebenen Reize anbieten und dabei den Verfall ihres Körpers nicht verbergen können.

Prägnante Nachahmungen von Realitäten und intuitiv gebauter Szenen lassen die außerordentliche Spannung in den Fotografien Olafs entstehen, die dem Betrachter ebensoviel Unbehangen wie Voyerismus verschafft.

Künstlergespräch mit Celina Lundsford (Fotografie Forum Frankfurt): 11.10. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Natascha Stellmach

I Don ́t Have A Gun

07.06.2013 – 20.07.2013

Bekannt wurde die deutsch-australische Künstlerin Natascha Stellmach mit ihrer spektakulären Arbeit Who will smoke the ashes of Kurt Cobain? (2008). Seit jeher begeistert, irritiert und fesselt die Wahlberlinerin mit ihren provokativen und sozialkritischen Installationen ihr Publikum.
I Don ́t Have A Gun zeigt Fotografien, Texte und Happenings zum Thema Burnout. Dieser Zustand, als Symptom erstmals 1974 klassifiziert, wurde in den letzten Jahren wegen seiner weiten Verbreitung in der heutigen Arbeitswelt vielfach in den Medien thematisiert.
Vor dem Hintergrund eigener Burnout-Erfahrungen stellen die neuen Arbeiten Stellmachs die Erneuerung in den Mittelpunkt. Wie immer vermischt die Künstlerin in ihren Arbeiten Fiktion und Wirklichkeit. Grenzen zwischen Persönlichem, historischen Fakten und Imaginiertem verschwimmen. Durch Zueinanderfügen von privaten Fotografien, eigener, quasi popkultureller Texte sowie der Möglichkeit, sich während der Ausstellung tätowieren zu lassen, hinterfragt die Arbeit Tabus und fordert dazu auf, die Genese eigener Selbst-Bilder zu erforschen.

Hypnosetherapeuten, Buddhisten, Schamanen, Yogis, katholische Nonnen, Psychoanalytiker, Heiler, Ärzte, Liebhaber, Freunde, Tättowierer – sie alle inspirierten Stellmachs experimentelle Selbsterfahrungen, die in die aktuelle Ausstellung einfließen. Auf die von Stellmach so in ihrer Ausstellung geschaffene Intimität und Direktheit in der Ansprache muss sich der Besucher einlassen.

In einem Raum werden aus Super-8 Familienfilmen stammende, vergrößerte Fotografien gezeigt. Stellmach transformiert ihr Selbstbild anhand dieser Bilder, die sie mit Überzeichnungen, Aussparungen und provokantem Hineintexten kommentiert. Ein anderer Raum dagegen zeigt überlebensgrosse und wandfüllende pinkfarbene Zeichnungen bewaffneter Frauen, die mit ihren „Gewehren" spielen. Auch diese Zeichnungen sind durchwebt von knappen Auszügen aus den Tagebüchern der Künstlerin.

Zur Vernissage und während der Ausstellung können sich Besucher von der Künstlerin ein temporäres Tattoo stechen lassen. Wie auch bei anderen Happenings dieser Art, verheißen diese besonderen Schrift-Tattoos in ihrer intimen Interaktion ein einmaliges und kathartisches Erlebnis. Frühere Tattoo-Happenings, bei denen Stellmach Texte auf die Haut schrieb und dies fotografisch dokumentierte, haben unzählige Besucher angezogen. Indem sie jetzt zusätzlich eine tintenfreie Tätowierpistole einsetzt, forciert die Künstlerin geschickt noch einmal mehr Fragen nach Angst und eigenem Selbst-Bild.

Künstlergespräch mit Katja Blomberg (Haus am Waldsee): 26.06. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Thomas Wrede

Katastrophe und Idylle

26.04.2013 – 01.06.2013

Seit fast zehn Jahren entsteht die Serie Real Landscapes des deutschen Fotokünstlers Thomas Wrede (*1963). Die international viel beachtete Serie verbindet wirkliche Landschaftspanoramen mit in Szene gesetzten Modellen so, dass sie die Suggestionskraft medialer Bilder ebenso wie die eigenen Sehgewohnheiten befragt.

Seine neuesten Werke wenden sich auf beeindruckende Weise jenen globalen Katastrophen der letzten Jahre zu, die dem Publikum durch Internet und Fernsehen mehr als bekannt scheinen: Tsunamis, Fukushima, Hurricane Katrina oder jüngst Sandy. Im modellhaften Arrangement und im subjektiven Nachstellen arbeitet der Künstler eine Phänomenologie der Zerstörung heraus. Während auf der einen Seite Muster menschlich verursachter oder natürlicher Katastrophen sichtbar werden, die der Künstler wie Archetypen in seinen neusten Bildern herausstellt, erlebt der Betrachter zugleich die Kraft romantischer Bilder, die auch im Zeitalter von digitaler Bildbearbeitung noch immer wirken. Sonnenuntergänge, Winter- oder Nachtszenen werden von Thomas Wrede gekonnt als Idyllen ins Bild gesetzt.

„Ich sehe die Welt als Modellbausatz, als große Inszenierung, als Bild und Nachbildung." (Thomas Wrede)

Künstlergespräch mit Dr. Frank Schmidt (Kunsthalle Emden): 23.05. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Eckart Hahn

Asphodeliengrund

15.03.2013 – 20.04.2013

Nach der griechischen Mythologie war die Unterwelt dreigeteilt, ein Teil davon war der Asphodeliengrund, wo mythischen Blumen, die Asphodelien, wuchsen. Mit der dritten Einzelausstellung gewährt die Galerie Wagner + Partner einen differenzierten Blick auf das Werk Hahns. Der süddeutsche Maler, lange als Geheimtipp unter Malereisammlern gehandelt, ist in einer Reihe von institutionellen Ausstellungen in den letzten Jahren gewürdigt worden. So haben ihn beispielsweise das Kunstpalais Erlangen, das Kunstmuseum Singen oder der Mannheimer Kunstverein in jüngster Zeit mit erfolgreichen Einzelausstellungen bedacht.

In der Lesart der Kunstkritik könnte man ihn dem Fantastischen Realismus zuordnen. Doch trifft dies nur unzureichend auf das Œuvre des Künstlers zu. Auffällig ist zunächst eine über die Jahre reduzierte Farbigkeit auf die Grundfarben Rot, Gelb und Blau sowie Schwarz und Weiß, eine ästhetisch-visuelle Zuspitzung, die mit einer weiteren Zuspitzung, nämlich mit der des Bildraumes korrespondiert: spielten Hahns frühe Inszenierungen noch in weiten, teils dunklen Landschaften, so komponiert der Maler seine kaum fassbaren Szenen inzwischen in kammerspielartigen Bildräumen.

„Hahn setzt Irritationen in die Welt, die das Sehen nachhaltig verändern – nichts ist sicher in seinen Bildern, alles ist in Veränderung begriffen und doch scheint sich nichts zu bewegen. Wie eingefroren wirken die Inszenierungen, Artefakte aus dem Fundus einer vergangenen Welt ... Hahns Kunst besitzt dieses gewisse Etwas, das man nicht vergisst und das die Malerei nach wie vor zum Ereignis macht. Nach Jahren noch findet man Neues in seinen Bildern und auch skulpturalen Ereignissen." (Martin Stather, Kunstverein Mannheim).

Künstlergespräch mit Guido Faßbender (Berlinische Galerie): 24.04. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Mona Ardeleanu

Softskin

20.01.2013 – 09.03.2013

Mit Mona Ardeleanus Berliner Debut eröffnet Wagner + Partner neue Ausstellungsräume am Strausberger Platz. Unter dem Titel Softskin werden die jüngsten Werke der 28-jährigen Malerin aus Stuttgart gezeigt. Nach dem Studium bei Daniel Richter, Franz Ackermann und Karin Kneffel hat Mona Ardeleanu einen ganz eigenen Weg in der Malerei betreten.

Ausgehend von einer Hinterfragung des Raumes stehen alle malerische Arrangements Ardeleanus zunächst stets frei im Raum. Die assoziativen Bezüge der collagehaft angelegten Objekte bauen sich primär innerhalb des Bildraumes auf, kaum in die Umgebung des Bildes. Dennoch sind die Malereien von Mona Ardeleanu keine rein abstrakten Bilder. Durch bewusst eingesetzte Muster, Stofftexturen und visuelle Anlehnungen an Kleidungsstücke erwecken sie im Betrachter den Eindruck, etwas Vertrautes zu sehen. Der bezugslose Hintergrund bzw. Raum dieser Bilder revidiert diesen Eindruck jedoch zugleich. Zurück bleibt Verunsicherung.

Das kalkuliert eingesetzte Spannungsverhältnis von Abstraktion und Realismus spiegelt sich inhaltlich wieder in Form (Gebilde, Körper) und Material (Stoffe, Texturen). Jenseits dieser formalen Kriterien hat sich die Malerin jüngst mit den Fragen von Abgrenzung und Übergang beschäftigt. Ausgehend von der Funktion der Epidermis befragen ihre Bilder die Grenzen dessen, was man Innen oder Außen bezeichnet. Was ist Haut? Was ist Hülle? Die Serie Schnürungen (2011) dekliniert diese Fragestellung anhand imaginärer, von Stoffen umhüllter Körper durch und versucht, Antworten auf die Neudefinierung unseres Körpers zu geben. Mona Ardeleanu thematisiert so auch aktuelle Fragen nach dem Spannungsverhältnis unseres gestalterischen Willens in einem gegebenen, ererbten Körper jenseits der Stereotypen Mann und Frau.

Künstlergespräch mit Roland Nachtigäller (Marta Herford): 28.02. um 19 Uhr.

2012

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 Galerie Wagner + Partner

Gruppenausstellung

I am not interested in reality

02.11.2012 – 30.11.2012

I am not interested in Reality zeigt fünf internationale Fotokünstler, die sich frei von einem dokumentarischen Ansatz mit Reflexionen, Inszenierungen und Neukonstruktionen von Realität beschäftigen. Vor dem Hintergrund heutiger Sehgewohnheiten und einer potentiell perfekten, digitalen Manipulation jedweden Bildes erfährt der konzeptionelle Ansatz in der Fotografie neues Gewicht. Dokumentation und Fiktion flottieren je nach Konzept.

Die New Yorkerin Raϊssa Venables schafft multiperspektivische Räume, die eine anthropologische Dimension bekommen. Der finnische Künstler Jorma Puranen visualisiert anhand des Volkes der Samen das Verschwinden einer Kultur. Der deutsche Fotokünstler Thomas Wrede inszeniert romantische Landschaftsklischees und exotische Reiseziele und verwandelt das fotografische Bild zu einer Projektionsfläche eigener Sehnsüchte. In einer neuen poetischen Installation, die sich erotischer Geschichten bedient, erkundet die australische Künstlerin Natascha Stellmach Ängste und Tabus. Auch ihre bekannten Worry-Doll-Scans behandeln diese Themen. Im hochästhetischen Stil und erotisch aufgeladen zeigen sich schließlich die Porträts des niederländischen Künstlers Erwin Olaf. Erstmals wird seine Key Hole Installation in Deutschland gezeigt, die den Betrachter zum Voyeur fremder Welten werden lässt.


Wagner + Partner präsentiert die Ausstellung im Kontext des 5. Europäischen Monats der Fotografie.

Peter Dreher

Die Kleeblume

07.09.2012 – 27.10.2012

Wie behandelt die Kunst die Zeit und wie geht die Zeit mit der Kunst um?

Die Einzelausstellung des Freiburger Malers Peter Dreher anlässlich seines 80. Geburtstages geht diese Frage nach. Drehers Bilder scheinen dabei auf angenehme Weise unzeitgemäß. Sie widerstehen dem schnellen Konsum, dem Lauten, der Oberfläche. Drehers Bilder brauchen Zeit. Sie fordern Vertiefung, ohne schwer zu sein. Dies verdeutlicht insbesondere seine zentrale Serie der Gläser Tag um Tag guter Tag, die er 1974 begann und bis heute fortgeführt.

Parallel begann Dreher 1976 ein ähnliches, wenngleich weniger puristisches Motiv zu malen, das ihn eindeutig als Realisten ausweisen sollte: eine blühende Kleeblume in einem randvoll mit Wasser gefüllten Glas. Auf 80 Tafeln lässt sich das Verblühen und Vertrocknen der Pflanze, das allmähliche Verdunsten des Wassers und die einhergehende Veränderung der Farbigkeit in wechselnden Lichtsituationen mit einer langen Pause bis 2011 verfolgen. Die Zeit rückt ins Bild, sie vergeht.

Doch Peter Dreher hat mit der Kleeblumenreihe kein Memento mori im Sinn, er bleibt im Gleichtakt, reiht ohne Dramatik Moment an Moment. Nicht der Gegenstand ist gemeint, auch nicht die Zeit, das Malen selbst steht im Mittelpunkt und das eigene Bewusstsein darüber.
Seit Jahrzehnten gehört der emeritierte Professor der Malerei zu den wichtigen Künstlern in Deutschland nach 1945. Er studierte in den fünfziger Jahren an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste und war u.a. Schüler von Erich Heckel. Als Lehrer an der Akademie in Karlsruhe wirkte er intensiv auf eine jüngere Generation von heute international bekannten Künstlern. Dreher lebt bei Freiburg und in St. Märgen im Hochschwarzwald. Seit 2013 ist das Werk "Die Kleeblume" dauerhaft in der Kunsthalle Karlsruhe zu sehen.

Künstlergespräch mit Dr. Ralf Burmeister (Berlinische Galerie): 05.10. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Claas Gutsche

drama & romantik

18.05.2012 – 20.07.2012

Vieles in der Vergangenheit liegt in geheimnisvollem Dunkel. Unter dem Titel drama & romantik stellt die Galerie erneut innovative Linolschnittarbeiten Claas Gutsches vor.

Gutsches Themen in seiner ersten Einzelausstellung bei Wagner + Partner sind Orte und Landschaften von idyllischer Anmutung. Doch die scheinbare Idylle steht im Widerspruch zu den differenzierten dunklen Schattierungen, die der Künstler aus dem Linoleum herausarbeitet. Gutsche erzeugt eine sublime Dramaturgie von Licht und Schatten, die eine Atmosphäre des Geheimnisvollen, aber auch Bedrohlichen hervorruft. Meist verweist der Titel des Motivs darüber hinaus auf den konkreten Ort und seine Geschichte.
Claas Gutsche (*1982), der an der Hochschule für Kunst und Design in Halle und am Royal Collage of Art in London studierte, gehört zu einer neuen Generation von Künstlern, die sich bewusst auf die traditionsreiche Technik des Linolschnitts rück-besinnen und damit versuchen, zeitgemäße Bildpotentiale auszuschöpfen.

Gutsche rekapituliert in seinen Arbeiten die Funktionsweisen medialer Bilder und eine damit einhergehende kollektive Erinnerungskultur. Romantische Szenen werden auf seinen oft großformatigen Linolschnitten überraschend transformiert und führen in teils dramatische Kapitel deutscher Geschichte. Es entsteht eine Ambivalenz, die unser politisches und historisches Bewusstsein befragt.
Einen Schritt weiter geht der Künstler in seinen Linolschnittinstallationen. Für die großen Räume der Galerie konzipierte Claas Gutsche einen überdimensionalen Vorhang aus Linoldrucken, dessen Druckerschwärze undurchdringlich ist. Das dahinter Verborgene wird zu einem imaginären Vorstellungsraum. Damit schließt Gutsche konsequent an seine Serie von Installationen mit Linolschnitttapeten an, deren Zaun- und Mauermotive unmittelbar die Frage nach den Geheimnissen jenseits der Begrenzung stellen.

Künstlergespräch mit Christoph Tannert (Künstlerhaus Bethanien): 28.06. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Erwin Olaf

Short Stories

16.03.2012 – 12.05.2012

Eine Kurzgeschichte - als kurze Prosaform - erzählt eine Begebenheit, die einen charakteristischen Ausschnitt aus dem Leben der handelnden Figuren darstellt. Es ist, als würde man auf einen fahrenden Zug aufspringen, so unmittelbar setzt die Geschichte ein. Das erzählte Geschehen ist verdichtet, die Handlung ist klar strukturiert und das Ende ist offen.

Diese erzählerischen Qualitäten im Werk des Niederländers Erwin Olaf stellt Wagner + Partner mit Short Stories heraus. Olafs erste Einzelausstellung in Deutschland zeigt daher eine Auswahl aus bekannten Serien der letzten Jahre in Kombination mit einer neuen Videoinstallation. Mit zahlreichen internationalen Ausstellungen und Publikationen sorgt Erwin Olaf seit Jahren für eine weltweite Aufmerksamkeit. Denn die Werke Erwin Olafs polarisieren.

Die Provokation liegt einerseits in der Unmittelbarkeit und Eindringlichkeit mit der Künstler seine teils erotisch aufgeladenen Motive abbildet. Oftmals bilden schöne Frauen und prächtige Räume eine glamouröse traumhafte Welt ab, in der sich auf dem zweiten Blick Dramen entfalten.

Mittels der konsequenten Inszenierung von Interieur und Person erzählt Olaf in Serien wie Hotel, Hope, oder Grief intensive Geschichten in cineastischer Manier. Dieser Erzählstil in der Fotografie, wie auch bei Jeff Wall oder Gregory Crewdson zu entdecken, erinnert nicht zufällig an die atmosphärischen Szenen von Edward Hopper. Wohl kalkuliert knüpft Erwin Olaf an dessen Zeit-, Raum- und Figurendarstellung an. Olafs Fotografien erinnern überdies an die in Licht getauchte Malerei eines Jan Vermeer, der meisterhaft in häusliche Tätigkeiten versunkene Frauen porträtierte. Auch Erwin Olaf taucht in den Strom der Zeit ein, inszeniert seine Geschichten in unterschiedlichen Epochenstilen. Seine Fotografien vergegenwärtigen aber zugleich das Momenthafte, das schmerzhafte Erkennen der Vergänglichkeit.

Künstlergespräch mit Dr. Matthias Harder (Helmut Newton Foundation): 24.04. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Eunomia

Ina Geißler & Axel Anklam

20.01.2012 – 03.03.2012

Wagner + Partner freut sich mit der Ausstellung Eunomia aktuelle Arbeiten der Berliner Künstler Ina Geißler und Axel Anklam zu präsentieren. Die Ausstellung setzt großformatige Malereien der neuesten Serie Broken Signs von Geißler in einen wirkungsvollen Dialog mit Anklams raumgreifenden Edelstahl-Skulpturen. Eunomia, mythische Personifizierung von Gesetz und Ordnung, steht als Leitbild für einen künstlerischen Prozess: die permanente Neuordnung von scheinbar Unvereinbarem.

In Broken Signs fängt Geißler die im Raum befindlichen Lichtreflexe einer sich drehenden Diskokugel ein. Allen Bildern ist ein konkav oder konvex lesbarer Raum gemein, den die Künstlerin durch vielfache Überlagerung von Farben und Formen oder durch vertikale Gitter und horizontale Linien zugleich wieder auflöst. Über allem stehen formal Variationen der Kreisform. Der Kreis als wirkungsvolle Spannung zum Rechteck der Leinwand.

Ina Geißler schafft in ihren Bildern dynamische Sphären, die durch ihre zahlreichen potentiellen Raumkompartimente den Betrachter zu eigenen Imaginationen herausfordern. Ihre Kompositionen bauen sich aus überlagernden Perspektiven, Formen und Farben sowie aus Hell-Dunkelkontrasten und unterschiedlichen Flächenstrukturen auf. Mithilfe von Klebebändern legt sie verschiedene Farbflächen auf- und ineinander und kreiert Schicht für Schicht ein extrem komplexes Raumgefüge.

Axel Anklams Skulpturen wirken klar und kraftvoll. Dynamik und schwebende Ruhe wechseln einander ab. Opakes Fieberglas und transparente Stahlnetze legen sich über komplex geschmiedete Edelstahl-Karkassen. Jeder Licht- bzw. Perspektivwechsel, jede atmosphärische Änderung schaffen einen neuen Ausdruck.

Die Komplexität der Bild- und Raumgefüge beider Künstler fordert den Blick: Vermeintlich erkannte Strukturen können oder müssen verworfen werden; neue Ansatzpunkte lassen sich stets finden. Die Werke dürfen stets neu Gestalt annehmen, sich verändern und doch gleich bleiben. Diese permanente Neuordnung, die beständige Bewegung, ist die Eunomia – die gesetzmäßige Ordnung – des künstlerischen Prozesses von Geißler und Anklam. Zugleich weist sie aus der Kunst hinaus auf den aktuellen Prozess gesellschaftlicher Ordnung am Beginn des 21. Jahrhunderts.

Künstlergespräch mit Dr. Heinz Stahlhut (Berlinische Galerie): 09.02. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Signs

Josef Schulz & Georg Karl Pfahler

04.11.2011 – 14.01.2012

Die Galerie Wagner + Partner startet einen experimentellen Dialog: Signs ist eine bunte Ausstellung, die im Vokabular der amerikanischen Pop Art zwei sehr unterschiedliche Künstler zusammenbringt. Erstmals werden der Fotokünstler Josef Schulz (*1966) und Georg Karl Pfahler (1926-2002) in einem Ausstellungsprojekt gemeinsam präsentiert. Ausgehend vom ästhetischen Erscheinungsbild der Werke, wird der lange als unüberwindlich geltende Gegensatz von abstrakter und gegenständlicher Kunst erneut diskutiert.

Mit Georg Karl Pfahler wird der bekannteste deutsche Vertreter der Color-Field Malerei und des Hard-Edge gezeigt, der vor der Wiederentdeckung des Figurativen zu den wichtigsten abstrakten Künstlern in Deutschland zählte. Die Gestaltung des Raumes durch Farbe und eine geometrische Bildkomposition waren das zentrale Anliegen in Pfahlers Schaffen. Simplizität und Wiederholung wurden dabei zu seinem Kennzeichen. Seine Bilder sind auch als ins Zweidimensionale überführte Architekturfantasien zu begreifen.

Mit Josef Schulz, Meisterschüler Thomas Ruffs, zeigt die Galerie Fotografien, welche die dokumentarische Tradition durch digitale Intervention wesentlich erweitert und in Bereiche der zeitgenössischen Malerei hinüberführt. Ausgangspunkt bei Schulz´ Serie Sign out wie auch bei seiner Vorgängerserie sachliches/formen, ist die konkret vorhandene Architektur. Große Leuchttafeln entlang amerikanischer Highways wurden zunächst in serieller Breite dokumentiert und anschließend digital reduziert. Es entstehen cleane, entrückte Typologien, zugespitzt auf ihren wesentlichen Kern: Form und Farbe.

Äußerlich verwandt, bleibt Georg Karl Pfahler in seiner Bildwelt hermetisch, Schulz dagegen agiert als Fotograf referenziell, löst sich aber durch seine Bearbeitung von diesem Realitätsbezug. Das Ergebnis sind autonome Zeichen. Die Ausstellung lädt ein, diese beiden heterogenen Konzepte sachlich-formaler Gestaltung zu erleben.

Künstlergespräch mit Dr. Andreas Schalhorn (Kupferstichkabinett Berlin): 24.11. um 19 Uhr.

2011

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 Galerie Wagner + Partner

Maria & Natalia Petschatnikow

briefly yours

02.09.2011 – 22.10.2011

Manches besitzt man nur für kurze Zeit – und merkt es nicht einmal! Nach Sidewalk, der viel beachteten Installation 2009 bei Wagner + Partner, wird nun die neue Ausstellung briefly yours von Maria & Natalia Petschatnikov vorgestellt. Die Ausstellung vereint Bilder und Objekte der jüngsten drei Werkserien, die Besitz und Besitztum auf hintersinnige Weise befragen. Wie so oft bei den Petschatnikovs sind es die banalen Dinge des Alltags, die künstlerisch erforscht werden und auf neue Weise in den Blickwinkel geraten.

Stadthunde und ihre Besitzer, ausziehbare Leinen und das Häufchen am Straßenrand. Wer kennt das nicht? In Dogs, einer Raum füllenden Installation aus stilisierten Hunden und einem Geflecht von Hundeleinen, wird das Selbstverständliche komisch. Wer führt hier wen an der Leine herum? Abstrakt jedes einzelne Tier, als rudelhafte Gruppe präsent, wirft Dogs viele Fragen auf.
Mit Cash, einer kleinformatigen Bilderserie von Geldscheinen, wird der Gedanken weiter geführt. Gerollt, geknickt, gestapelt und vielfach variiert mutieren diese Scheine zum bunten Bastelpapier. Wie Stillleben erzählen solche absurden Arrangements in Öl auf Pergament vielerlei Geschichten. Der Wert des Geldes wird dabei zur Nebensache.
In U8, einer Malereiserie der 24 Stationen der Berliner U-Bahnlinie 8, wird die Befragung in den Stadtraum hinaus erweitert. Die Stadt durchmessen, an „seiner" Station aussteigen oder täglich die Fahrt zur Arbeit in der Bahn. Kurzzeitig eignen wir uns das Öffentliche an, um es nach Nutzung ebenso schnell zu vergessen.
Briefly yours zeigt ein unbeachtetes Phänomen, einen allgegenwärtigen, flüchtigen Aneignungsprozess, den die Künstlerinnen in ihrer neuen Ausstellung spielerisch spürbar werden lassen.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog Sidewalk im Kehrer Verlag.

Künstlergespräch mit Dr. Lars Mextrorf: 29.09. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

LINOCUT RELOADED

Claas Gutsche, Philipp Hennevogl, Thomas Kilpper, Sebastian Speckmann

03.06.2011 – 20.08.2011

Die Technik des Linolschnitts erlebt gegenwärtig ein Comeback. Junge Künstler verwenden dieses traditionelle Medium zunehmend, um aktuelle Themen zu bearbeiten. Der Linoldruck wird aus dem grafischen Kabinett geholt und auf einer größeren Bühne präsentiert. Großformatige Arbeiten, fotorealistische Kommentare zum Zeitgeschehen, Installationen und dreidimensionale Präsentationen bringen neue Aspekte in die Auseinandersetzung mit diesem Medium.

Die Berliner Galerien Wagner + Partner und Hunchentoot greifen diese Entwicklung in Form einer gemeinsamen Gruppenausstellung auf und zeigen mit Claas Gutsche, Philipp Hennevogl, Thomas Kilpper und Sebastian Speckmann vier zeitgenössische Positionen aus Berlin und Leipzig. Die Ausstellung diskutiert die Frage, welche spezifischen Eigenschaften des Mediums den Linolschnitt für Künstler attraktiv machen und welche Innovationen zu entdecken sind.

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre.

Künstlergespräch mit Ralf F. Hartmann (Kunstverein Nord): 03.06. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Eckart Hahn

MYTHOS incorporated

15.04.2011 – 28.05.2011

Wagner + Partner freut sich, die zweite Einzelausstellung von Eckart Hahn (*1971, Freiburg) in Berlin anzukündigen. Die Ausstellung MYTHOS incorporated befragt auf subtile Weise den Stand des kollektiven Bildgedächtnisses heute und sucht nach den Ikonen von morgen.

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Bilderflut ist ikonografisch einstmals wichtigen Bildern ihre Funktion abhanden gekommen. In ihrer tradierten Überlieferung wurden in solchen Bildern zugleich auch Werte formuliert. Einhergehend mit einer Diffusion dieser Werte sind in einer parallelen Entwicklung werthaltige Bilder, Mythen oder Symbole für Marktzwecke vereinnahmt worden.

Eckart Hahn adaptiert nun solche ins Bildgedächtnis eingeschriebenen Bilder von mythischer oder symbolischer Kraft wie beispielsweise ein Porträt des Sonnenkönigs Ludwig XIV, die Anbetung der Könige von Rubens oder die Darstellung des Matterhorns. Indem er sie bewusst durch die malerische Kopie mit Aufmerksamkeit auflädt und mit Mitteln der Verfremdung (wie Tüten oder Farblachen) versieht, befragt er sie auf ihr ikonografisches Potenzial heute. Im Prozess der malerischen Neukonstruktion legt Hahn zugleich das überzeitlich Gültige allgemein verhandelter Bilder frei.

MYTHOS incorporated führt assoziativ durch eine Reihe von Bildern, deren Details, Farbigkeit und Stimmung den Betrachter kalkuliert berührt und deren realistische Darstellungsweise zwischen surrealistischer und jüngster neofigurativer Malereitraditionen oszilliert.

Die Malereien und installativen Objekte von Eckart Hahn haben international in Sammlerkreisen für Furore gesorgt. 2010 beeindruckte er mit seiner umfangreichen Einzelausstellung Grat im Kunstverein Reutlingen. 2011 zeigt das Kunstpalais in Erlangen die Ausstellung Der schwarze Duft der Schönheit.

Künstlergespräch mit Dr. Marc Wellmann (Georg Kolbe Museum): 19.05. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Thomas Wrede

Anywhere

18.02.2011 – 09.04.2011

Landschaftsbilder als Projektionsfläche von Sehnsüchten sind das übergeordnete Thema des deutschen Fotokünstlers Thomas Wrede (*1963, Lethmate). In seinen verschiedenen Fotoserien thematisiert der Künstler seit Ende der 90er unsere - durchaus noch immer romantisch geprägte - Sehnsucht nach Naturerfahrung. Dabei befragt er überdies den Realitätsgehalt und die Botschaften medialer Bilder, welche heute allgegenwärtig sind und zugleich die visuelle Grundlage dieser Sehnsüchte bilden.

Wagner + Partner freut sich, mit der Ausstellung Anywhere die Weiterführung der Serie Real Landscapes anhand neuer Arbeiten des Künstler zu präsentieren. Die Werke machen Wredes Lust sichtbar, eigene Bildwelten zu schaffen, von denen der Betrachter das Gefühl hat, sie bereits zu kennen. Vermittels einer vordergründigen Täuschung, erreicht durch die geschickte Inszenierung von Modellen in der realen Landschaft wie beispielsweise am Strand der Nordsee, produziert Thomas Wrede scheinbar ort- und zeitlose Bilder. Anywhere führt durch Hochhaussiedlungen, Schneelandschaften oder Südseeparadiese...

Indem der Künstler immer wieder von medial omnipräsenten Bilderzeugnissen ausgeht und sie in seinen Inszenierungen mit unseren Sehnsüchten verschmilzt, erreicht er quasi halluzinogene Landschaftsbilder. Wredes Werke werden so zu einem Sinnbild unserer Zeit, in der – wie der Medienphilosoph Vilém Flusser es ausführt - die Realität zugunsten der künstlichen Bilder vergessen wird. Die Welt in Bildern, wirklicher als die Wirklichkeit. Eben überall.

Der Katalog Anywhere im Kehrer Verlag (Hardcover, 132 Seiten) ist in der Galerie erhältlich.

Künstlergespräch mit Dr. Ludger Derenthal (Museum für Fotografie): 03.03. um 19 Uhr.

 Galerie Wagner + Partner

Miklos Gaál

Selbstvergessenheit

10.12.2010 – 12.02.2011

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf den Bewusstseinszustand des Eingetaucht-Seins in eine Umgebung (Immersion), das Fehlen eines gezielten, gerichteten Denkens bei einer gleichzeitigen Offenheit für die Umgebung als undifferenzierte Ganzheit. Selbstvergessenheit versichert uns der Möglichkeit, Begebenheiten unreflektiert zu genießen. Gaáls fotografischer Ansatz befragt die Fotografie daraufhin, wie sie repräsentiert, gelesen und wahrgenommen werden kann. Die Ausstellung vereint singuläre Werke der letzten Jahre - darunter Fotografien, ein handgefertigtes Künstlerbuch, eine Diashow und eine Siebdruckserie -, die alle zusammen den Hintergrund bilden, um die Beziehungen des Besuchers zur Fotografie auszuloten.

Viewing an Apple Tree ist ein Künstlerbuch gefertigt in Siebdruck, welches ein einzelnes Foto eines blühenden Baumes zeigt. Dieses Referenzbild ist in verschiedene gleichgroße Segmente geteilt, von denen sich jedes auf den nachfolgenden Seiten abgebildet findet. Jede der neun Buchseiten zeigt einen zufälligen Blick, detailreich und gelegentlich durchbrochen von den charakteristischen Spuren des handwerklichen Herstellungsprozesses, was ein nicht-narrative Distanz zum Originalbild entstehen lässt.

Again ist eine Werkreihe von Collagen aus Schwarzweißlaser-Kopien kombiniert mit Siebdrucktechnik. Auf einem einzelnen Foto werden mittels Siebdruck graue Farbschichten aufgebracht, deren Farbtöne während des Auftragens erst zufällig gemischt werden. Die teilweise transparenten monochromen Schichten verbergen und enthüllen das dahinter liegende Bild, so dass eine Serie von Unikat-Bildern entsteht. Diese Werkserie stellt die eher fließende Eigenschaft von Farbe der Zielgerichtetheit von Fotografie gegenüber. Während die zufällige Siebdruck-Farbschicht als eine simple Spur von Pigmenten erscheint, entwickelt sie im Zusammenklang mit dem darunter liegenden Foto eine Bedeutungszumessung der Farbfläche. Die Gelegenheitsbeziehung dieser beiden Drucktechniken verleiht dem entstandenen Bild eine gewisse Mehrdeutigkeit.

Hillside ist ein winterlicher Blick auf eine urbane Erholungszone. Es ist die Fortführung einer Werkreihe szenischer Fotos, die mittels partieller Tiefenschärfe und einem erhöhten Blickpunkt aufgenommen sind und alltägliche Szenen und Momente neu interpretieren. In der Darstellung einer außer Kraft gesetzten Handlung rückt die verschwommene Szene als solche in den Blick. Das Vermeiden jeglicher spektakulärer Momente ist charakteristisch für diese Serie, ihr Interesse richtet sich auf den Stillstand der Aktion und den Akt des Sehens selbst.

Echo ist eine Bilderfolge einer Begebenheit, in der Wasser zwischen zwei Scheiben eines Busfensters eingeschlossen ist. Das Wasser bewegt sich während der Bus fährt und lässt so eine sichtbare Linie entstehen, die mit der umgebenden Landschaft in Beziehung tritt. Die Beobachtung dieses flüchtigen Ereignisses wird als Diashow präsentiert, wobei eher die Erfahrung, die hervorgerufen wird, im Vordergrund steht als das Kunstwerk selbst.

2010

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 Galerie Wagner + Partner

Raissa Venables

All that glitters

19.10.2010 – 14.12.2010

Der Glanz der Gehäuse – Die international bekannte Fotokünstlerin Raissa Venables (*1977, USA) interpretiert in ihrer neuen Einzelausstellung, eingebettet in den 4. Europäischen Monat der Fotografie, verschiedene Räume auf bislang einzigartige Weise. Die Ausstellung führt den Besucher auf eine Reise durch das prachtvolle Grüne Gewölbe in Dresden, das Richard-Wagner-Haus in Bayreuth oder die coole Austern-Bar im New Yorker Bahnhof Grand Central. Jedes dieser „Gehäuse" eröffnet eine verborgene Welt.

Raissa Venables hat in den vergangenen Jahren einen markanten fotografischen Stil entwickelt, der die Grenze zur Malerei überschreitet und dessen Bilder seither im In- und Ausland in wichtigen Museen gesammelt werden. Ihre souveräne farbliche wie Raum bildende Collagetechnik übersetzt vorhandene Architektur in einen erlebbaren fotografischen Gesamteindruck. Dreidimensionale Räume werden zu Aggregatzuständen, eine vierte emotionale Dimension entsteht.

In den letzten Jahren hat sich die amerikanische Künstlerin vermehrt der europäischen Baugeschichte zugewandt. Hier sind es meist prachtvolle und prestigeträchtige Bauten. Nach Kirchen in Italien hat sie sich nun vor allem mit dem kulturellen Reichtum Dresdens auseinandergesetzt. In ihren neuesten Werken wird der Gründungsgeist vieler Architekturen wieder erlebbar. So vermittelt die sattgrüne Pflanzengruppe in dem Werk Palmenhaus, Pillnitz noch einmal das Staunen über die ersten europäischen Glashäuser Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Sammelleidenschaft eines August des Starken wird in ihre ganzen Exzentrik wieder spürbar, wenn Venables das Grüne Gewölbe fotografisch durchmisst.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in Zusammenarbeit mit der BAT Campus-Galerie, Bayreuth, die zeitgleich weitere, vor allem in Bayreuth entstandene Werke präsentiert.

 Galerie Wagner + Partner

Natascha Stellmach

Come Life in my Head

03.09.2010 – 23.10.2010

Die Arbeiten der australischen Künstlerin Natascha Stellmach sind emotionale Erkundungen in die dunklen Welten der Erinnerungen und des Unbewussten, in das Unausgesprochene. Ihre Installationen, Fotoarbeiten und Videos fordern ein tieferes Nachdenken ein.

Kindern, die Angst vor dem Einschlafen haben, legt man in Guatemala kleine handgefertigte Püppchen (worry dolls) unter das Kopfkissen, denen sie ihre Sorgen anvertrauen können. Befreit vom Seelenballast können die Kinder ruhig schlafen. Stellmach entwickelt eigene Worry Dolls (Sorgenpuppen), die Geheimnisse und Albträume der Erwachsenen verkörpern und monströse Formen annehmen. Mit Titeln wie Nazi Girl, Killer oder Fuckhead enthüllen Stellmachs Worry Dolls persönliche Geschichten, deren biographischer Kern aber stets kollektive Erfahrungen aufgreift und über sich hinaus weist. In der Serie Blood verwendet die Künstlerin darüber hinaus Fotos als Mementos und kombiniert sie mit eigenen Texten, die neue assoziative Verbindungen schaffen.

Dieser formale Ansatz, Text und Bild gegenüberzustellen, ermöglicht es Stellmach, Realität und Fiktion inhaltlich zu vernetzen. Sie verwendet dokumentarisches oder inszeniertes, biographisches oder erfundenes Material, um kraftvolle Geschichten über die Schattenseiten und die Vergänglichkeit des Lebens zu erzählen.

Wie auch die französische Künstlerin Sophie Calle, ist Natascha Stellmach eine erzählende Künstlerin, die sich Wörter und Bilder zunutze macht, um zu analysieren, zu fiktionalisieren und neu zu bewerten. Dabei gelingt es ihr, durch ein Gespür für Poesie gepaart mit Intelligenz und trockenem Humor anspruchsvolle Themen anzugehen. Mit Come Live in my Head lädt sie den Besucher auf eine sehr persönliche Weise ein, das eigene Selbst zu ergründen. Am Ende besteht die Hoffnung auf fantastische Träume.

 Galerie Wagner + Partner

Open Landscape

Peter Dreher, Friederike Jockisch, Josef Schulz, Thomas Wrede

21.05.2010 – 31.07.2010

Längst ist Natur zur Landschaft geworden. Seit der Romantik ist Landschaft darüber hinaus eine ästhetische Position. Was aber ist Landschaft heute für den modernen Menschen? Die thematische Ausstellung stellt hierzu generationsübergreifend fotografische und malerische Ansätze gegenüber. Ausgangspunkt ist bei den beteiligten Künstlern die reale Landschaft.

Die Arbeiten von Thomas Wrede und Josef Schulz gewinnen ihren Reiz aus der Spannung zwischen fotografischer Wirklichkeitsabbildung und deren Weiterführung durch Inszenierung oder Intervention. Wrede kombiniert in seiner gleichnamigen Serie Real Landscapes die natürliche Schönheit der Landschaft mit einer Inszenierung von Modellbauelementen. Die so fotografierten Landschaftsbilder wirken verführerisch glaubwürdig und überhöhen die romantische Projektion.

Auch Schulz zielt mit digitalen Interventionen in seinen Naturaufnahmen der Serie Terraform auf eine ästhetische Überhöhung und Idealisierung. Durch das Eliminieren menschlicher Spuren rekonstruiert er die verlorene Ursprünglichkeit der Natur und schafft damit „innere" Bilder des Menschen von der Landschaft.
Von der vorgefundenen Landschaft ebenfalls ausgehend, wirkt Peter Drehers Schwarzwaldlandschaft idealtypisch. Fast scheint sie in der Tradition der Heimatmalerei zu stehen. Bei genauem Hinsehen jedoch sind die einzelnen Tafeln des Bildes nach Tagen und Uhrzeiten geordnet. Jedes Einzelbild dokumentiert nur das, was der Maler zu genau diesem Zeitpunkt sah und malerisch festgehalten hat. Erst in der Zusammenschau entsteht ein völlig abstraktes Bild von Landschaft als einem Raum-Zeit-Konstrukt.

Das zentrale Thema der Rauch-Schülerin Friederike Jokisch ist die Landschaft jenseits der tradierten Idylle. Ihre großformatigen Pastellmalereien lassen den Umformungsprozess der Natur zur Landschaft spürbar werden. In eindringlichen Bildern wird „Landschaft" entmystifiziert und stattdessen werden die Brüche und Verfremdungen zwischen Kultur und Natur thematisiert.

 Galerie Wagner + Partner

Claas Gutsche & Sebastian Nebe

Der geheime Garten der Nachtigal

12.03.2010 – 12.05.2010

Blair Witch Project oder der Märchenwald der Gebrüder Grimm – der Wald bleibt eine anarchische Insel inmitten der Zivilisation. Ort des Geheimnisvollen und der dunklen Ahnung. Zugleich Rückzugsort vom Lärm des Alltags und Projektionsfläche der inneren Verfassung.

In der ersten gemeinsamen Ausstellung der Absolventen Sebastian Nebe (*1982) und Claas Gutsche (*1982) entsteht ein solcher Ort jenseits der gängigen romantischen Sichtweisen in der Wagner + Partner.

Die großformatig angelegte Malerei in Öl auf Papier von Sebstian Nebe zeigt karge Waldausschnitte und Zivilisationsrelikte. In ihren Dimensionen vermitteln die Arbeiten das Gefühl im Wald zu stehen, allerdings ohne Orientierung. Die ins Grafische gesteigerten Arrangements verstören. Wie schon in seiner Installation Die Schwarze Hütte ausgestellt in der Galerie der HGB Leipzig 2009, entwirft Nebe eine beunruhigende Realität des Waldes, eine Schattenwelt im fahlen Licht.

Auch Claas Gutsche richtet sein Augenmerk auf den Grenzbereich zwischen Zivilisation und Natur. Seine Serie suburbia sind düstere Linol- oder Holzschnitte, die das Unbehagliche dieses Niemandslandes spürbar machen. Unter der Oberfläche idyllischer Plätze verbergen sich Vergangenes und Geheimnisvolles. Diese metaphorische Aufladung setzt sich in seinen Bronzeobjekten fort. Hier kahle Äste, dort verlorene oder vergessene Gegenstände wie ein Armband, ein Vogelnest – all diese Elemente durchsetzen den Galerieraum und verwandeln ihn. Eingebettet in eine installative Gesamtkomposition erzählen die Werke der beiden Künstler Claas Gutsche und Sebastian Nebe ihre je eigenen mysteriösen Geschichten und lassen gemeinsam die Galerie zu dem geheimen Garten der Nachtigall werden.

 Galerie Wagner + Partner

Ilkka Halso

Restoration

15.01.2010 – 06.03.2010

Aus dem Wetter ist das „Klima" geworden, aus dem Klima die „Klimakatastrophe" – eine nicht mehr aufzuhaltende Bedrohung unserer natürlichen Grundlagen ist seit Jahren Thema globaler Diskussion. Der international renommierte finnische Fotokünstler Ilkka Halso (*1965) beschäftigt sich in seinen Werken seit gut zehn Jahren mit der Heilung und Rettung bedrohter Natur. Seine fotografischen Interventionen sind daher nicht nur die finnische Fortsetzung der seit den 60er Jahren in den USA entstandenen „Landart", sondern auch eine Reaktion auf die Veränderung unseres Planeten.

Die Ausstellung bei Wagner + Partner will Halsos ästhetischen Ansatz nachzeichnen, Natur zu retten. In den Werken der Serie Restoration entwickelt und baut der Künstler pseudowissenschaftliche Arrangements, in denen er beispielsweise Bäume mit transparenter Gaze einrüstet und beleuchtet. Einem Feldbett gleich wird hier Natur „verarztet", der beschädigte „Patient" wird medizinisch versorgt. Alle Fotos entstehen bei Nacht, wenn die Natur sozusagen ihren heilsamen Schlaf findet.

Eine Verschiebung dieses Heilungsansatzes zeigt sich in der späteren Serie Museum of Nature. Jetzt wird Natur nicht mehr behandelt, sie wird „gerettet". Der Betrachter findet Bäume und ganze Landschaften in gläsernen Pavillons. Einem Kunstwerk gleich wird die Natur in einem Museum aufbewahrt und konserviert.

Ist der Patient zur Mumie geworden? Die Frage muss offen bleiben. Während Ilkka Halso für seine Restoration-Serie noch direkt in die Natur eingreift (fotografische Installation), so konstruiert er seine die Natur schützenden Bauten am Computer (digitale Konstruktion) in der Museum-Serie. Ob dies Hilfe oder Teil der Bedrohung ist, wird nicht wirklich beantwortet. Auf der Ebene der Ästhetik bleibt die Vorgehensweise des Künstlers alle Mal reizvoll.

 Galerie Wagner + Partner

Eckart Hahn

Intimate Play

06.11.2009 – 09.01.2010

Wagner + Partner freut sich, erstmals das Werk des 1971 in Freiburg geborenen Malers Eckart Hahn in Berlin zu zeigen.
Intimate Play (Kammerspiel) führt assoziativ durch eine Reihe von Bildern, deren eigenartige Farbigkeit und Stimmung den Betrachter kalkuliert berührt und deren realistische Darstellungsweise zwischen surrealistischer und jüngster neofigurativer Malereitraditionen oszilliert. Doch was unterscheidet Hahns Werke von denen der Surrealisten oder etwa den Vertretern der Leipziger Schule?

Eckart Hahn konstruiert kammerspielartige Szenen in dramatischer Weise. Er setzt sich mit den Zwängen zivilisatorischen Lebens, mit Religion, Familie, sozialen Strukturen und deren Auflösungserscheinungen auseinander. Durchdringt man allerdings die vom Künstler gegebene Bildkonstruktionen, so bleibt nichts als Verwirrung zurück. Es gibt „Angebote" (Symbole, Szenen, Worte) und diese werden formal wie farblich auf zugängliche Weise vermittelt. Aber wohin zielen sie?

Chiffren und Zitate wie „Nike" oder Graffiti verorten die Bilder in der Gegenwart. Es geht um uns. Aber ist einem von uns je passiert, was Hahn auf seinen Bildern darstellt? Das Betrachten seiner Bilder ruft im Betrachter weniger eine Erinnerung oder ein Wiedererkennen aus, als vielmehr ein Aufgeschrecktsein. Anstelle eingängiger Geschichten begegnen wir Unterdrücktem, das tief im Inneren schlummert, dessen bewusster Wahrnehmung wir uns aber bisher verweigern. Eckart Hahn lotet den Raum zwischen Traum und Alptraum aus, den Zwischenbereich, wo wir uns aufhalten, wenn unser Tagbewusstsein seine dirigierende Macht nicht entfaltet.

Den Weg in diesen Zwischenzustand weist uns Hahn durch eine formale wie inhaltliche Bildsprache, mit der wir vertraut sind, die aber in ihrem Zusammenklang nicht nur ungewöhnlich ist, sondern bei ihm über die Jahre zu einer eigenen Bildsprache gefunden hat. Der Künstler selbst gibt einen Vergleich: seine Bilder seien wie ein wackelnder Zahn. Man spielt daran, es tut weh und trotzdem macht man fasziniert weiter.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog Eckart Hahn: Grand Ouvert im Kerber Verlag.

2009

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 Galerie Wagner + Partner

Ina Geißler

Twister

11.09.2009 – 31.10.2009

Die Kraft von Tornados löst bestehende Ordnung auf, Bekanntes und Vertrautes wird unerwartet durcheinander gewirbelt.
In ihrer Ausstellung Twister zeigt die Berliner Künstlerin Ina Geißler großformatige Malereien und Papierarbeiten aus ihrer neuen Serie Dichtung. Die Darstellungen von Gittern und Kugeln werden hier miteinander verschränkt: Das Gitter als Ornament ist seriell und somit grenzenlos fortsetzbar. Die Kugel dagegen, als geschlossene Form, ist hermetisch und begrenzend. Aus der Verbindung dieser konträren Formen entstehen Räume, die sich in Rotation befinden und den Betrachter spiralenförmig anziehen. Bruchstücke urbaner Architektur lassen sich in diesem Wirbel nur noch erahnen.

Geißler zerlegt bestehende Architekturen und setzt sie im Baukastenprinzip neu zusammen. Im Malprozess verselbständigt sich das fotografische Vorbild. Es deutet sich nur noch assoziativ an, wird fragmentarisch. Der gegenständliche Ursprung der Motive löst sich auf zu einem abstrakten Bild, in dem die räumlichen Koordinaten von oben und unten, innen und außen, nah und fern nicht mehr existieren. Ein neues Raumgefüge entsteht, aufgebaut aus komplexen Schichten, die Geißler sukzessiv in Eitempera aufträgt. Mal fließen die Farben ineinander, mal grenzen sie sich kantig ab.

Das Ergebnis ist eine futuristische Architektur, die ihr Gegengewicht in den pastos aufgetragenen Pinselflächen der matten und gedeckten Farben findet. Die Verbindung von architektonischem Raum mit sinnlicher Malerei ist ungewohnt und dynamisch. Gern folgt das Auge den Wirbeln, um schließlich einen neuen Erfahrungshorizont zu entdecken.

Ina Geißler (*1970) lebt in Berlin, wo sie als Meisterschülerin von Prof. Marwan an der Universität der Künste abschloss.

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One Step beyond Reality

Eva Lauterlein, Josef Schulz, Natascha Stellmach, Raissa Venables und Thomas Wrede

17.07.2009 – 05.09.2009

In der diesjährigen Sommerausstellung präsentieren wir fünf internationale Fotokünstler, die sich auf verschiedene Weise mit der Frage nach dem Wahrheitsgehalt von Fotografie beschäftigen.

Raissa Venables (USA) und Josef Schulz (Deutschland) befragen und hinterfragen Architektur und Raum. Während Venables auf bekannte Weise durch Fotocollagen Räume auf ihren psychischen und emotionalen Charakter hin befragt, macht Schulz durch digitale Reduzierungen Architektur in ihren Grundzügen erst wieder sichtbar.
Thomas Wrede (Deutschland) führt seine Serie Real Landscapes fort, indem er Modelle und realer Landschaft so inszeniert, dass das fertige fotografische „Bild" für den Betrachter offen lässt, welche Realitätsebene hier abgebildet wird. Ebenso verschränkt Natascha Stellmach (Australien) die Bedeutungsebenen fotografischer Abbildung, wenn sie Textauszüge ihrer Tagebücher mit inszenierten Portraits eines Mädchens verbindet; hier wird ein Bedeutungszusammenhang suggeriert, der nie bestand.
Eva Lauterlein (Schweiz) schließlich befragt die „Echtheit" moderner Portraitfotografie, die nie mehr „wahr", sondern immer nur „intensional" ist. Ihre Gesichter sind das geschickte Produkt einer aufwendigen Fotocollage, eher abschreckend als schön, doch „wirklicher" als jedes scheinbar „echte" Portrait.

Jeder der Künstler ruft den Betrachter auf, seine gewohnte Betrachtung von Wirklichkeit einer Generalüberprüfung zu unterziehen und neu zu „sehen". In der Kombination dieser verschiedenen Positionen möchte Wagner + Partner einen Beitrag zur Befragung der eigenen Wahrnehmungsgewohnheiten leisten.

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Josef Schulz

übergang

23.01.2009 – 07.03.2009

Im heutigen Europa verlieren die Binnengrenzen ihre politisch und wirtschaftlich trennende Funktion. Da die Schlagbäume aber schneller verschwinden als die Barrieren im Kopf, bleiben die alten Grenzen im Bewusstsein. Die langfristigen Konsequenzen dieser geographischen Ausdehnung Europas zu einer äußerlich-funktionellen Einheit, bei gleichzeitiger kulturell-ideeller Zerrissenheit, sind noch nicht absehbar.
Für diesen komplexen historischen Wandel hat der Fotokünstler Josef Schulz überzeugende Bilder gefunden. In seiner 2005 begonnen Serie übergang fokussiert er die Architektur der verlassenen Kontrollposten der innereuropäischen Grenzen. Ihrer Funktion beraubt stehen die Grenzhäuschen wie moderne Ruinen da, bewusst zeigt Schulz keinerlei Autos oder Personen. Die anonyme Zweckarchitektur zeigt sich in der umfangreichen Serie erstaunlich variantenreich.

Scharf und kontrastreich heben sich die Grenzhäuschen von einer nebulösen Umgebung ab, was ihr bevorstehendes Verschwinden umso mehr ins Bewusstsein ruft. Dieser Effekt des Verblassens ist Ergebnis einer digitalen Nachbearbeitung, durch sie tritt der Hintergrund zurück. Die Grenzlandschaft wird unkonkret und austauschbar. Durch das Verschleiern des Kontextes werden die Grenzposten zum Modell reduziert, ein Auslaufmodell. Gleichzeitig erscheinen sie aber auch als Mahnmale für die einstige Trennung und erinnern an das noch nicht Erreichte. Sie markieren den Übergang von Vergangenheit und Zukunft.

Mit übergang zeigt Josef Schulz einen weiteren konsequent durchdeklinierten Werkblock in der Tradition der Becher-Schule, der er sich als Ruff Meisterschüler verbunden fühlt. Ebenso wie in seinen Serien Centre Commercial, Sachliches oder Formen setzt der Künstler zusätzlich zur dokumentarischen Reihung digitale Mittel ein, um architektonische Klarheit zu erzeugen. Der dokumentarische Kern verdichtet sich. Die sichtbaren Manipulationen auf den Fotografien mindern den Realitätsgehalt des Dargestellten nicht. Im Gegenteil: der fotografische Übergang, den Josef Schulz beschreitet, dient der Wahrheitsfindung.


 Galerie Wagner + Partner

Raissa Venables

Maybe too lofty?

05.12.2008 – 17.01.2009

Seit der Renaissance sind wir gewohnt, Räume in der Malerei perspektivisch zu sehen. Was sich im Italien der Vorrenaissance mit einer neuen Raumauffassung bei Giotto langsam herausschält, findet bei Brunelleschi seinen Höhepunkt in der Erfindung der Zentralperspektive um 1420. Der Bildraum wird mathematisch auf einen Fluchtpunkt hin konstruiert. Die bildgemäße Anordnung aller Gegenstände darin entspricht einer illusionistischen Wiedergabe der Wirklichkeit. Dies ist auch bei der später aufkommenden Fotografie nicht anders; die mathematische Konstruktion wird durch die Gesetze der optischen Linse ersetzt.

Raissa Venables Arbeiten durchbrechen die fotografischen Gesetze der Optik, indem die Künstlerin mithilfe digitaler Bearbeitung und Intervention sich eine neue Freiheit im Umgang mit der Gestaltung des Bildes verschafft. Die Werke von Venables erinnern an die mittelalterliche Bedeutungsperspektive. Räume und Gegenstände sind entsprechend ihrer geistigen Bedeutsamkeit und nicht der natürlichen Beschaffenheit dargestellt. Dies wird unterstützt durch eine expressive Farbwahl der Künstlerin.

Was formal wie ein Rückschritt in der Auseinandersetzung mit Räumen erscheint, ist bei Venables Programm: spielten ihre frühen Arbeiten vor allem in privaten, eher intimen Räumen, so zeigt die Künstlerin in ihrer neuen Ausstellung große und öffentliche Orte. Profane wie sakrale Räume sind das Thema von Maybe too lofty? Der unbewussten Erfahrung, die wir in solchen Räumen machen, geht Venables mit hoher Sensibilität nach und verleiht ihnen Ausdruck. Die Künstlerin spürt den Orten nach und findet zu einer neuen „Bedeutungsperspektive", die viel mehr einem anthropologischen Sehen entspricht.

Ihre neusten Arbeiten sind von formaler wie farblicher Eleganz. Sie führen uns durch große Bahnhofskathedralen, hinein in jahrhunderte alte Kirchen und verborgene Tempel. Alle Orte sind „lofty" (erhaben). Man muss nur sehen können. Mit ihrer neuen Einzelausstellung schenkt uns Raissa Venables ein Stück Sehen zurück.

2008

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 Galerie Wagner + Partner

Helena Blomqvist

The last Golden Frog

17.10.2008 – 29.11.2008

Die Fotocollagen von Helena Blomqvist (*1975) sind komplexe Gewebe aus Figuren, Requisiten, Symbolen und Zitaten. Eine spannende Mischung aus philosophischer Betrachtung einerseits und schrägem Humor andererseits. Ihre besondere Magie entfalten die Fotos jedoch dann, wenn die arrangierten und digital bearbeiteten Szenen plötzlich so gegenwärtig erscheinen wie die Umgebung, in denen die Fotos hängen. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion scheint zu fließen. Geradezu spielerisch kann der Betrachter zwischen den Ebenen von Wirklichkeit und Imagination wechseln. Schöner hat auch Astrid Lindgren ihre Leser nicht in neue Welten entführt.

Es war einmal... Eine Szenerie wie im Märchen. Ein blütenumrankter Junge sitzt wie ein Ritter auf einem Lama. Vor ihm hockt als sein Begleiter ein bekleideter Affe, und gemeinsam blicken sie einem Abenteuer entgegen. Trotz einer märchenhaften, teils bizarren Anmutung ist unterschwellig eine nahende Katastrophe spürbar. Jedes fotografische Arrangement der Künstlerin zeigt ein Drama in einer speziellen Situation. Wie in einer unvergänglichen Momentaufnahme des Lebens sehen wir Aufbruch, Trauer, Kameradschaft - und immer wieder Dunkelheit.

Wie schon in ihren früheren Serien greift Helena Blomqvist kulturelle Archetypen unseres kollektiven Bildgedächtnises auf. Die Referenz zur fotografischen Praxis des 20. Jahrhunderts zeigt sich z. B. in dem standardisierten Gruppenbild mit Soldaten, sowohl im Arrangement als auch in der Farbgebung. Wären die Protagonisten keine Affen, könnten die Bilder einem Fotoalbum des 1.Weltkrieges entnommen sein. Oder haben wir es doch mit einer Szene aus „Planet der Affen" zu tun? Blomqvist legt viele visuelle Fährten. Am Ende jedoch wird plötzlich der Blick wieder frei für die Mechanismen der Erinnerung durch Fotografie. Es ist gewesen...

Helena Blomqvist wurde bisher sehr erfolgreich in Skandinavien gezeigt, die Wagner + Partner präsentiert ihre erste Einzelausstellung in Deutschland im Rahmen des 3. Europäischen Monat der Fotografie.

I just wanted you to love me

Peter Dreher, Natascha Stellmach, SPAM the musical

05.09.2008 – 11.10.2008

Was wäre die Popkultur ohne ihre unsterblichen Toten? Ist der Tod selbst schon Pop?

Vor Kurzem erlangte die Künstlerin Natascha Stellmach an die Asche des 1994 aus dem Leben geschiedenen Nirvana-Bandleaders Kurt Cobain. Die hierdurch inspirierten fotografischen Arbeiten und Objekte thematisieren Selbstmord, Nahtod und nicht zuletzt die Frage, was nach dem Tod bleibt. „Set me free" wurde in die auf einem Scanner liegende Asche geschrieben. Ein ins Grau verlaufender Text beschreibt auf halluzinogene Weise die Begegnung von Kurt Cobain, Adolf Hitler, Diane Arbus und den Gebrüdern Grimm in der Twilight Zone. Und in einem antiken Silberetui mit der Gravur „Gone" wartet ein Joint aus Asche und Hasch auf das erlösende Ritual.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich auch Peter Dreher mit dem Tod, vordergründig. Der weltbekannte Maler der Gläserserie Tag um Tag guter Tag, die seit 1974 den immer selben Gegenstand thematisiert, besprenkelt meterlange Papierbahnen mit Totenköpfen. Auf den Gouachen tritt die signifikante Form des Schädels aus den verlaufenden Flächen hervor. Erst im Kontext des markanten Umrisses erhalten die abstrakten Farbflächen Bedeutung. Durch die serielle Häufung wird der Tod bei Peter Dreher abstrakter und verliert seinen Schrecken. Grinsen seine Schädel nicht sogar?

Spam dagegen scheint unsterblich und feiert in diesem Jahr den 30. Geburtstag. In dem Cross-Media Projekt „SPAM the musical" wird Spam von Boris Eldagsen zum Thema und zur Methode in der Kunstwelt erklärt. Zwei Jahre wurden Spams gesammelt und typisiert, um dann zu Scriptvorlagen für Kunstvideos zu werden. In sechsminütigen Videos mit Titeln wie „The Lonely Girls" oder "The Lottery" wird der Spamtext auf unterhaltsame Weise gesungen und seine Versprechungen operettenhaft ins Bild gesetzt. Doch Spam hat auch seine düsteren Seiten. Das zeigen die „deleted scenes" im zweiten Teil, in denen rasch jede Illusionen über Liebe und Sehnsucht zerstört werden. „SPAM the musical" kursiert im Netz, in Ihrem Spamfilter oder unter http://www.spamthemusical.com .