Exhibitions

 Galerie Wagner + Partner
 Galerie Wagner + Partner

Jan Berdyszak + Malgorzata Szymankiewicz

Steht in (k)einem Verhältnis

11.12.2015 – 13.02.2016

Mit der Duoausstellung von Malgorzata Szymankiewicz (*1980) und Jan Berdyszak (1934-2014) stellt die Galerie WAGNER + PARTNER zwei polnische KünstlerInnen vor. Beide haben, obwohl sie aus verschiedenen Generationen stammen, ihren künstlerischen Fokus auf das ungegenständliche Bild und auf den Prozess der vielfältigen Transformationen gerichtet, die dieses Medium seit etwa 1945 bis heute erfahren hat. Das ist zweifellos Malerei nach dem Ende der Malerei, die ihre selbstkritische und -analytische Kraft gezielt einsetzt, um nicht nur mit der Wirklichkeit in (k)einem Verhältnis zu bleiben sondern auch mit der Tradition der Gattung an sich.

Szymankiewicz und Berdyszak sind von folgenden Fragen getrieben: Auf welche Weise kann Raum auf einer Fläche überzeugend dargestellt werden? Bis zu welchem Grad kann man das Bild (de)konstruieren und fragmentarisieren, ohne seine Identität abzuerkennen? Was für ein Potenzial hat ein Loch oder eine Negativität im Bild? Wie kann man mit dem Phänomen der Abwesenheit spielen, um neue und überraschende Aspekte des Raumes sichtbar zu machen? Hat das Bild eine Möglichkeit seine Grenzen zu überschreiten und dabei im Rahmen der Malerei zu bleiben? Brauchen wir heute noch traditionelle, harmonisch ausbalancierte Kompositionen mit einer Bildmitte als machtvolles Zentrum? Die Bilder von Szymankiewicz und Berdyszak, die immer im Einklang mit dem Kontext stehen, wirken wie eine Art Falle für den Raum. Sie pendeln zwischen Moderne und Postmoderne, ignorieren alle Aufteilungen, die im Bereich der Kunstgeschichte herrschen.

Berdyszaks Bilder zählen sich zu sogenannten , die nicht mehr rechteckig sind. Die untypischen Formate bilden eine sehr starke Spannung zwischen Bild, Wand und Raum, den der polnischen Künstler aus der ontologischen und transzendenten Perspektive definiert hat - die Auffassung des Raumes als die eines ursprünglichen Seins weist Ähnlichkeiten mit den Anschauungen des deutschen Philosophen Max Bense auf, der den Raum als metaphysische Erscheinung betrachtet: „Am Anfang war der Raum. Erst im Raum geschieht alles, wandeln sich Tag und Nacht. […] Raum und Sein sind grundsätzlich identisch, sie sind das Eine und das Viele, und deswegen sind sie endgültig." Es hängt von dem Betrachter ab, ob er in den Bildern von Berdyszak nur Formalismus sieht oder auch ein Spiel mit dem Universum.

Szymankiewicz arbeitet sehr oft mit speziellen selbst entworfenen und gebauten Pinseln, um den gewünschten Anschein eines Gestus auf der Leinwand zu erreichen. Ihre Bilder halten so eine Balance zwischen Unpersönlichkeit und Individualität, aber auch zwischen Ordnung und Expression. Sehr bemerkenswert ist auch das Zeitgemäße Szymankiewiczs Malerei: die Serie kann als eine Auseinandersetzung mit der Möglichkeit von Originalität im Zeitalter des Internets interpretiert werden. Die Künstlerin arbeitet gerne medienübergreifend: sie entwickelt Objekte, die in einem spannenden Dialog mit ihren Bildern stehen. Was im flächigen Bild nur virtuell dreidimensional sein kann, materialisiert sich in der Form der Installation im Raum. Die Konstruktionen aus der Serie erwecken gleichzeitig Assoziationen sowohl an die Formen der ungegenständlichen Kunst als auch an Sportgeräte, die heutzutage zur Selbstoptimierung der Körper dienen. Szymankiewicz - als Repräsentantin ihrer Generation - mischt verschiedene Ästhetiken zusammen: die Tradition der elitären modernistischen Kunst und zeitbezogene popkulturelle Phänomene.
In der Kunst von Szymankiewicz - genauso wie in der von Berdyszak - ist der Betrachter mit Fragmenten konfrontiert, die als Ganzheit wirken. Die Antwort auf die Frage über den Unterschied zwischen Fragment und Ganzheit ist nicht mehr möglich. Ist das jedoch eine Frage, die nur im Bereich der Malerei gültig ist - oder auch allgemein im Kontext der Gegenwart?

Prof. Dr. Marta Smolińska

Universität der Künste Poznan


Die Arbeiten von Malgorzata Szymankiewiecz werden in Kooperation mit BWA Gallery in Warschau gezeigt.