Exhibitions

Ausstellungsansicht in Paderborn Galerie Wagner + Partner
 Galerie Wagner + Partner

Bastian Börsig

stoked

04.09.2015 – 17.10.2015

Vernissage: 04.09.2015, 19:00 - 22:00
Der Artist Talk findet am 24. September ab 19:00 Uhr statt. Bastian Börsig spricht mit der Journalistin Adrienne Braun (art magazin, Stuttgarter Zeitung, Süddeutsche Zetung, nachtkritik.de) über seine neuen Arbeiten.

Erstmals zeigt Wagner + Partner die kraftvollen Arbeiten des Malers Bastian Börsig (*1984, Schwäbisch Hall), der in diesem Jahr mit dem Kulturstipendium der Stadt Karlsruhe ausgezeichnet wurde, in einer Einzelausstellung in Berlin.

Der erste Blick auf ein Kunstwerk ist meist ein schneller Blick direkt auf das Kärtchen daneben, mit Titel, Jahr und Angaben zu Maßen und Technik. Bei Bastian Börsig gibt es diese Kärtchen auch – nur verraten und helfen sie uns nicht viel außer mit den technischen Daten. O.T. – wir müssen direkt auf die Bilder schauen, um die Sprache Malerei zu verstehen, in der Börsig mit uns kommuniziert.

Börsigs Bilder bewegen sich zwischen Gegenständlichem und gänzlicher Abstraktion bis hin zur Auflösung des eigentlich Dargestellten: Er setzt Farbe bewusst ein, um gegenständliche Assoziationen hervorzurufen, gegenständliche Bilder in unserem Kopf zu produzieren; aber niemals, um allein Gegenständliches zu malen. Eine blassrosa Form auf drei Beinen evoziert einen Euter, von Kinderhand gemalt; doch ein Euter selbst ist es nicht. Ein Männlein in Galoschen und mit dunkler Hose löst sich nach oben hin in ein großes rosafarbenes Rohr auf; ein Mensch ist es nicht, eher der emotionale Ausbruch des Männchens. Etwas scheint nicht zu stimmen. Bastian Börsig spielt bewusst mit unseren Assoziationen und Gedanken, mit unseren Erwartungen, um diese dann ins Leere laufen zu lassen.

Ein pastoser Farbauftrag lässt Ungreifbares haptisch erfahrbar machen, lasierte Flächen bilden einen Ruhepol. Die Lacke weisen oft ein merkwürdiges Craquelé auf, teilweise ist der Farbauftrag in grober Manier gehalten. Manchmal ist seine Malerei akribisch fein und Pinsel-breite Farbfelder werden durchzogen von Schnörkeln und dinghaft zarten Zeichen. Archaisch, emotional und trotzdem verspielt umschreiben seine Bilder Situatives. Wir sehen uns in seine bewegten Erzählungen ein, um dann festzustellen, dass auf den zweiten Blick alles ganz anders erscheint. Gänzlich losgelöst von tradierten Sinneseindrücken appellieren die Bilder an uns ohne Titel, um uns nicht in die Irre zu leiten.

Für Börsig – der sich selbst als abstrakter Maler versteht – ist ein Bild gut, wenn es einen Inhalt transportiert und gleichzeitig über Malerei spricht. Wie Magritte vielleicht deutlich machen wollte, dass das dargestellte Objekt und das Objekt selbst nicht identisch sind - egal wie realistisch beides dargestellt ist. Börsig zeigt in seinen Bildern auf, dass sehr wohl unterschieden werden muss zwischen Abbild und Realität.

Bastian Börsig hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert. Seine Arbeiten wurden in diesem Jahr bereits im Kunstverein Paderborn sowie im Kunstverein Hohnerlohe gezeigt. Börsig erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Kunststiftung Baden-Württemberg, den Heinrich-Hertz-Preis und den Kulturpreis der Stadt Karlsruhe.