Nezaket Ekici

Prothese

Videoperformance 2017

Dauer: 7:39 min., HD, sound, Edition: 6 + 2 AP

"'Prothese' ist eine Video-Performance, zu der ich durch einen Sarkophag in den Vatikanischen Museen inspiriert wurde. Auf dem Sarkophag habe ich Skulpturen entdeckt, deren beschädigte oder fehlende Körperteile zum Teil durch Marmor und Gips ersetzt oder ergänzt worden waren. Das sah sehr unheimlich aus. Ich machte daraufhin Abgüsse von Körperteilen von mir und trug diese an den entsprechenden Stellen meines Körpers, so dass es schien, als wären Teile ergänzt oder ersetzt worden.
Das Mangelwesen Mensch ist ein Prothesengott. Der Körper des Menschen, jederzeit bereit, Leiden und Unlust zu vermitteln, wird gottgleich, wenn er alle seine Prothesen anlegt. Mit der Metapher des „Prothesengottes“ verweist schon Freud auf den Wunsch des Menschen, durch Technik den Mangel des Menschen hinter sich zu lassen. Beispielsweise haben wir uns Fahrräder und Autos gebaut, die uns als Fortbewegungs-Prothesen dienen und uns schnell von einem Ort zum Anderen bringen. Mit Brillen sehen wir besser und mit Raketen bewegen wir uns sogar in den Weltraum hinein. Doch der Mensch ist kein Gott." (Nezaket Ekici)

Die Künstlerin zeigt sich selbst mit Marmorähnliche-Abgüsse ihres eigenen Körpers. Es sieht so aus, als müsste ein Teil ihres Körpers durch einen Abguss ersetzt und ergänzt werden. Die marmorähnlichen Fragmente, wie Gesichtsteile, Ellbogen, Bauch, Brust und Schulter-Teile bedecken scheinbar schadhafte Stellen des Körpers. Die Künstlerin wurde während ihres Rom-Aufenthaltes in der Villa Massimo (Anfang 2017) auf Skulpturen im Vatikan-Museum aufmerksam, die von Restauratoren in Stand gesetzt wurden, indem einige schadhafte oder fehlende Körperpartien durch Marmorabgüsse überdeckt und ergänzt wurden. Auf symbolische Weise stellt die Künstlerin damit das Projekt der Vergottung des Menschen in Frage und drückt ein Unbehagen aus, das sich mit der Fragmentierung unserer Lebenswelt unhinterfragt einhergeht.

*1970, Kirsehir, Türkei

Bei ihren Arbeiten und Performances konzentriert sich die Künstlerin auf Themen wie das gesellschaftliche Geschlecht, Religion, die türkisch-deutsche Identität, Kunstgeschichte und Architektur. Ideen, Gedanken und Entwürfe bilden die Basis für ihre Arbeiten. Die Ideen entstammen dem Alltagsleben, der gesellschaftlichen und kulturellen Atmosphäre und präsentieren sich als Performances und Installationen. Die Künstlerin setzt ihren Körper als Erzählinstrument ein und lotet dabei immer wieder die Grenzen von Raum, Bewegung, Aktion und Interaktion aus. Nezaket Ekici lebt und arbeitet in Berlin, Stuttgart und Istanbul.

Education

2004
Meisterschülerin, HBK Braunschweig bei Prof Dr. Marina Abramović
2000-2003
Studium der Performance, HBK Braunschweig
1996-2000
Studium der Bildhauerei, Akademie der Bildenden Künste München
1994-2000
Studium der Kunstpädagogik, LMU München
1990-1993
Ausbildung als Druckformherstellerin, München


Awards and Residencies (Selection)

2018
Nominierung Paula Modersohn Becker Preis
Recherche Stipendium Berliner Senat
2017
Projektstipendium Künstlerdorf Schöppingen
2016
Rom Price - Deutsche Akademie Villa Massimo Rom
2013
Aufenthaltsstipendium Kultur Akademie Tarabya Istanbul
Vaivem Resedency Project SESC Sao Paulo
2010
Arbeitsstipendium Bildende Kunst, Berliner Senat
Projektförderung Karin Abt Straubinger Stiftung Stuttgart
2008
Aufenthaltsstipendium FADO International Artists’ Residencies Toronto
2007
Kunstpreis U2 Hintergleisflächen Alexanderplatz
Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Stipendium des Landes Brandenburg
2006
Arbeitstipendium Kunststiftung Baden-Württemberg
2005
Kulturausstauschstipendium des Landes Berlin für Istanbul
Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds Bonn
2004
GASAG Kunstpreis
Künstlerhäuser Worpswede, Stipendium des Landes Niedersachsen
2002
Stipendium aus dem Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung


Solo Exhibitions (Selection)

2016
Einwand, Nezaket Ekici, KAS EHF Berlin
Tooth for Tooth, Pamėnkalnio Galerija, Vilnius
2015
Alles was man besitzt, besitzt auch uns, Haus am Waldsee
2014
Zwei Welten, Holbein Haus, Kunstverein Augsburg
2013
(After) Love At Last Sight, Pi Artworks London
Islamic Chapel, Städtische Gallery Ostfildern
Personal Map, to be continued… De Bond, Cultuurcentrum Brugge
2012
In Relation, Nezaket Ekici and Shahar Marcus, Braverman Gallery Tel Aviv
Imagine, Selected Works about Food 2002-2012, Pi Artworks Istanbul
2011
Gravity, Städtische Galerie Bremen
Personal Map, to be continued… Marta Herford
2010
Alles Fließt, Kunstverein Friedrichshafen
2009
Kopfsonate Claire Oliver Gallery NYC
Kunstmuseum Heidenheim
2008
Memories of Objects, DNA Galerie Berlin
Tube, Daydream Toronto, Gallery TPW, Toronto Canada
2007
Kunstpreis U“ Hintergleisflächen Alexanderplatz Berlin
Blind, Staatsgalerie Stuttgart
2006
Double Bind, DNA Gallery Berlin
2005
National Anthems, Proje 4L Artvarium, Elgiz Museum of Contemporary Art


Group Exhibitions (Selection)

2018
Portrait Extended - Sechs Positionen zu unserem Selbst, WAGNER + PARTNER, Berlin
The story behing the veil, Gallery for Israeli Art at the Tivon Memorial Center, Haifa
Forum Migration, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck
Hopeless Emptiness Sanatorium Istanbul
My Dear Wedding Dress, Seoul Museum, Seoul
2017
Home, Neigbour Event, of 15th Istanbul Biennial – Museum Evliyagil, Ankara
Mother Tongue Museumof Oslo- Interkulturelt Museum, Oslo
Kuss.Von Rodin bis Bob Dylan –Bröhan Museum , Berlin
In the sea-For the whole Family – Tel Aviv Museum of Art, Tel-Aviv
2016
The Sea- Museum of Contemporary Art in Krakow (MOCAK), Krakau
Uncertain States – Artistic Stragies in States of Emergency AdK – Akademie der Künste, Berlin
56th October Salon- Pleasure of Love, Belgrade Cultural Center, Belgrad
2015
I love you- Fondation Videosight, Turin
Ich bin eine Pflanze – Naturprozesse in der Kunst – Kuntmuseum Ravensburg
Dissonance –Percept Art, Mumbai
ACAW , Field Meeting. Take 3: Thinking Performance – The Metropilitan Museum of Art, NY
2014
pushing Boundaries –Whitespace – The Mordes Collection, West Palm Beach, Florida
4th Mediations Biennale 2014- Biennale Office: Centrum Kulturry Zamek, Posen, Polen

Collections (Selection)

GASAG Aktiengesellschaft Berlin, Germany
Proje 4L Elgiz Museum of Contemporary Art, Istanbul, Turkey
Koc Foundation Contemporary Art Collection, Istanbul, Tureky
Culturale Pamplona, Spain
Montreal Museum of Fine Arts, Montreal, Canada
Kunstmuseum Heidenheim, Germany
Museum Marta Herford, Germany
Momentum Berlin, Germany
Foundation Francès, Senlis, France
APT Dubai
Benetton Collection, Italy
Videosight, Turin, Italy
Samdani Art Foundarionm Dhaka, Bangladesch
The Petach Tikva Museum of Art , Petach Tikva, Israel
Schloss Esterhàzy Eisenstadt, Austria