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Claas Gutsche - Changing truth

12.09. - 25.10.2014

Claas Gutsche (*1982) fokussiert sich auf eine erst in den letzen Jahren wieder zeitgemäß gewordene grafische Technik, den Linolschnitt. Seine teils übergroßen Formate, gedruckt auf Japanpapier, setzen sich mit medialen Bildern und ihrer Umdeutung auseinander.

Mit „changing truth“ widmet sich Gutsche erstmals stärker seiner Herkunft und greift zu Bildvorlagen, die ausschließlich Architektur oder Gebäudeelemente zeigen, die in direkter Verbindung zur DDR stehen. Wie prägt Architektur unsere Erinnerung einer bestimmten Zeit und wie verändern Bilder, insbesondere Fotografien, diese Eindrücke nachträglich?
Gutsche verweist mit seinen menschenleeren und kulissenhaft wirkenden Bauten auf den Umstand, dass Architektur immer den Kontext ihrer Entstehung einzuschließen scheint.
In dem der Druckgrafik eigenen, harten Schwarzweißkontrast werden die Informationen, die die von Gutsche genutzten Bildvorlagen einst bargen, reduziert auf Licht und Schatten – auf Sichtbarkeit oder Ausradiertsein.

Über die „Kunst am Bau“ waren und werden viele Menschen angesprochen. Vor allem in Gutsches neuen Arbeiten transportieren und verbergen die DDR-Fassaden mit ihren Gestaltungen das, was sich unter der Oberfläche befindet. Oft ist es der Werktitel, der mehr über den historischen Kontext verrät, welcher hier nur reduziert sichtbar und von der Druckerschwärze wortwörtlich überschattet ist.
Die Arbeit „Der neue Mensch" zeigt eine jener typischen, oft als Mosaik oder Putzmalerei gestalteten, Gebäudeseitenwände, hier des ehemaligen Magnetkaufhauses in Eisenhüttenstadt. Das Wandbild „Produktion im Frieden“ von Walther Womacka prangt wie ein Werbebanner am Baukörper, das so Träger einer politischen Aussage war, die zwar heute noch öffentlich sichtbar, jedoch für uns schwer zu entschlüsseln ist. Mit dem Ende der DDR haben die Inhalte der Großmosaike und Fassadenmalerei an Bedeutung verloren. Werden nun diese Gebäude zerstört, bleibt allein die Vorstellung, die aus medialen Bildern gewonnen werden kann.

Jenes Fassadenelement, das "Concrete" zeigt, lässt sich zwar allgemein in der DDR-Architektur verankern, jedoch nicht mehr auf ein bestimmtes Gebäude mit besonderer Aufgabe reduzieren.   Das Zierelement ist ein zurückhaltendes und doch sehr konkretes steingewordenes Symbol. Hinter banal wirkenden Ausschnitten von Gebäudehäuten oder Interieurs verbergen sich dutzende Bilder, die nur in Ostdeutschland aufgewachsene Betrachter direkt abrufen können. Ihnen folgen persönliche Erinnerungen an Geschehnisse, Begegnungen oder historische Momente.
So besitzen Gutsches Linolschnitte deutlichen Zeitbezug und sind geprägt von inhaltlicher Tiefe, die sich dem Betrachter erst nach und nach eröffnet.

Künstlergespräch mit Sven Drühl: Donnerstag, 09.10. um 19 Uhr
Zum Gespräch erscheint der neue Katalog von Claas Gutsche


Ausstellungsansichten


 


Erwin Olaf @ Bar Babette, Berlin (16. - 30.10.)

Vernissage: 16. Oktober 2014 ab 22 Uhr direkt im Anschluss an
die offizielle Eröffnung des Europäischen Monat der Photographie im Martin-Gropius-Bau.

Erwin Olaf ist anwesend und signiert seinen neuen Katalog vor

Erwin Olafs Arbeiten visualisieren das Unausgesprochene. Seine stilisierten und geschickt zitierten Bildwelten behandeln Tabus, soziale Konflikte und bürgerliche Enge – Themen, die er mit Ästhetik gekonnt verschleiert, um den Betrachter in Unbehagen zu versetzen.
Die in der Bar Babette gezeigte Serie Fall (2008) reiht Porträts Adoleszenter aneinander, unterbrochen von spartanisch komponierten Stillleben in blass goldfarbenen Interieurs der späten 1950er Jahre. Vor Vorhängen und Tapeten, die an Wohnzimmer der Nachkriegsgeneration erinnern, wirken die Jugendlichen deplatziert. Als fühlten sie sich unbeobachtet, konfrontieren sie die Betrachterinnen und Betrachter mit widersprüchlichen Gefühlen und ihrer noch undefinierten Körperlichkeit. Coolness und körperliche Kraft zeigen sich ebenso wie Verletzlichkeit und Teilnahmslosigkeit. Subtile und unkontrollierte Erotik strahlt aus ihren allzu perfekten jungen Körpern. Der Film Le Dernier Cri (2006) steuert in ähnlicher Atmosphäre langsam auf den unbehaglichen Höhepunkt zu, der zeigt, welch Schrecken unter dem schönen Schleier der Bürgerlichkeit verborgen liegt.

Täglich ab 18 Uhr in der Bar Babette. Ein Ausstellungsprojekt von WAGNER + PARTNER im Rahmen des Monats der Fotografie.

Erwin Olaf - EUROPÄISCHER MONAT DER PHOTOGRAPHIE


Der neue Katalog ist da!

ERWIN OLAF - VOLUME II
Er wird zur Ausstellungseröffnung am 16. Oktober präsentiert und vom Künstler signiert!


 


 
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